Warum Bayern in Berlin mehr zu verlieren hat als Dortmund

Vier Männer, ein Ziel: der DFB-Pokal. Von links: Kehl, Klopp, Guardiola und Lahm. Foto: Getty
Vier Männer, ein Ziel: der DFB-Pokal. Von links: Kehl, Klopp, Guardiola und Lahm. Foto: Getty
Foto: Bongarts/Getty Images
Was wir bereits wissen
Es ist das Gipfeltreffen zwischen dem Liga-Ersten und -Zweiten. Zu gewinnen gibt es für Borussia Dortmund und Bayern München im großen Finale um den DFB-Pokal in Berlin gleich viel. Mehr zu verlieren hat jedoch unstrittig der Rekordmeister aus München. Ein Kommentar

Essen.. Deutsche Fußballfans bekommen in diesen Tagen eine Ahnung davon, warum im Mutterland des Fußballs über Jahre das Cup-Finale einen höheren Stellenwert hatte als die Meisterschaft. So weit wird es hier zu Lande nicht kommen. Aber die 1985 mit der Entscheidung pro Berlin verbundene Hoffnung, ein „deutsches Wembley“ zu schaffen, darf als erfüllt gelten.

In diesem Jahr rückt das Finale in Berlin umso mehr in den Fokus, weil es mit dem Duell des Liga-Ersten und -Zweiten auch ein Ersatz für das spannungslose Titelrennen ist. Und auch die Fußball-Welt wird das deutsche Gipfeltreffen im Hinblick auf die bevorstehende WM diesmal besonders aufmerksam verfolgen. Könnte doch Bundestrainer Joachim Löw aus den in Berlin mitwirkenden Akteuren locker seine Startelf für Brasilien nominieren.

Ein Aspekt, der die Bayern und den BVB wenig interessieren wird. Geht es doch für beide darum, ihre Spielzeit zu krönen. Daraus jedoch im Umkehrschluss zu folgern, der Verlierer hätte eine weniger gute, mindestens aber keine „sehr gute“ Saison gespielt, setzt ein maßloses Anspruchsdenken voraus, das sich freilich mit der – von den Medien befeuerten – öffentlichen Wahrnehmung deckt.

Niederlage des FC Bayern würde vieles infrage stellen

Zur Erinnerung: Borussia Dortmund gehört im vierten Jahr in Folge zu den zwei besten Teams der Liga, hat zum zweiten Mal in dieser Zeit das Pokalfinale erreicht und erneut für Furore in der Champions League gesorgt. Den Respekt vor dieser Bilanz könnte auch eine Niederlage in Berlin nicht mindern.

Und die Bayern? Ihr „Pech“ ist es, dass ihre mit Zauberfußball erspielte 24. Meisterschaft gefühlt schon eine halbe Ewigkeit zurückliegt, ihr brutal klares Halbfinal-Aus in der Champions League gegen Real Madrid dagegen noch schmerzhaft in Erinnerung ist. Eine weitere Pokal-Schlappe gegen Dortmund würde die grandiose Leistung in der Bundesliga noch mehr in den Hintergrund rücken und – den Mechanismen der Branche folgend – vieles infrage stellen, was vor Monaten noch als zukunftsweisend galt.

Fazit: Beide Finalisten haben gleich viel zu gewinnen. Aber der FC Bayern hat mehr zu verlieren.