Von der Leyens eigene Agenda

Die „Attraktivitätsoffensive“ für die Bundeswehr ist vernünftig. Die Wehrbeauftragten haben immer wieder angemahnt, dass die Armee ein besserer Arbeitgeber werde, nicht zuletzt: familienfreundlicher. Es lag natürlich nahe, dass die erste Frau als Verteidigungsministerin diese Herausforderung annehmen würde. Es ist kein Paradiesthema. Seit die Wehrpflicht wegfiel, kann man die jungen Leute nicht einziehen. Man muss sie für sich gewinnen. Heißt: Überzeugen, in der Konkurrenz mit der Wirtschaft bestehen. Die Militärs wissen das. Deswegen wurde gestern auch nicht offen gemosert. Aber es gibt so ein Grummeln. Warum eigentlich?

Erstens, von der Leyen hat ein Imageproblem. Viele glauben, sie habe nur ihre Karriere im Kopf. Nach dieser Lesart hat sie eine Attraktivitätsoffensive für sich selbst gestartet.

Zweitens, viele Militärs sorgen sich, dass sie die Bundeswehr politisch aseptisch macht. Man vergisst fast, wenn von Flatscreens und W-LAN für die Kaserne die Rede ist, dass es immer noch ums Kämpfen geht. Das Softe befremdet viele umso mehr, als von der Leyen für die Ausrüstung der Bundeswehr wenig getan hat. Zum Vorurteil gegenüber ihrer Person kommt viel Ungeduld hinzu.

Drittens, im Verteidigungsressort stellt sich schärfer als in jedem anderen Haus die Machtfrage. Wer führt, das Ministerium den Minister oder umgekehrt? Oft haben in der Vergangenheit die Militärs ihr Fähigkeitsprofil definiert – und der Minister durfte dann dafür kämpfen oder sich verkämpfen. Ursula von der Leyen hat ihre eigene Agenda.