Komfort-Sprechstunde

Vier-Klassen-Medizin

Ein Kommentar von Nina Grunsky

Die Zitrone ist ausgequetscht, lautet die Standardklage der Ärzte, wenn sie sich über neue Sparmaßnahmen im Gesundheitssystem, vor allem solche zu ihren Lasten, beklagen. Und damit haben sie durchaus Recht. Denn Budgetierungen zum Beispiel machen es einem niedergelassenen Mediziner nicht leicht, eine Praxis wirtschaftlich zu betreiben. Dass die Ärzte draufzahlen oder nach langem Studium für einen Hungerlohn arbeiten, darf aber niemand erwarten.

Das allerdings darf nicht dazu führen, dass einzelne Ärzte selbst auspressen – und zwar die Patienten. Diesen Vorwurf jedoch legen Angebote wie Komfort-Sprechstunden nahe. 50 Euro für einen schnellen Termin – das führt zu einer Drei-Klassen-Medizin: Privatpatienten, Patienten, die das Extra bezahlen, und solche, die es sich nicht leisten können. Das sollte eigentlich mit der Berufsauffassung eines Mediziners, bei allem Verständnis für das Gebot der Wirtschaftlichkeit, nicht vereinbar sein. Besonders hart betroffen sind im Übrigen die Patienten auf dem Land. Denn in Ballungsgebieten ist die Versorgung mit Fachärzten gut, mithin auch die Wartezeit auf einen Termin weniger lang. Auf dem Land hingegen bleibt den Patienten noch nicht einmal, sich einen anderen Arzt zu suchen, wenn sie mit einem solchen Geschäftsgebaren nicht einverstanden sind. So gesehen also eine Vier-Klassen-Medizin.