Vettels Ferrari-Sieg weckt Erinnerungen an Michael Schumacher

Sebastian Vettel nach seinem ersten Sieg in einem Ferrari
Sebastian Vettel nach seinem ersten Sieg in einem Ferrari
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Was wir bereits wissen
Früher als Michael Schumacher hat Sebastian Vettel seinen ersten Sieg bei Ferrari eingefahren. Die beiden verbindet mehr als nur ihre sportliche Klasse. Zum Leidwesen von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone. Ein Kommentar

Die Frage ist seit geraumer Zeit öffentlich kaum noch gestellt worden, aus Rücksichtnahme und vielleicht auch aus Angst vor der Antwort: Wie geht es eigentlich Michael Schumacher?

Vettel-Sieg Sebastian Vettels erster Sieg für Ferrari hat jedoch das Schicksal des vor 15 Monaten bei einem Ski-Unfall verunglückten Formel-1-Rekordchampions, der in den roten Boliden aus Maranello fünf seiner sieben Titel gewann, wieder in Erinnerung gerufen. Wie Schumacher, der nach seinen ersten beiden WM-Siegen in einem Benetton die größtmögliche Herausforderung gesucht hatte, trachtete auch Vettel nach seinen vier Titeln mit Red Bull danach, Teil eines Mythos zu werden. „Der Faszination Ferrari“, räumte der 27-Jährige wiederholt ein, „kann sich kein Rennfahrer entziehen“.

Wie jeder bedeutende Ski-Abfahrer auf der berühmten Streif in Kitzbühel gewonnen haben „muss“, fühlt sich ein großer Automobilrennfahrer durch Erfolge in einem Ferrari geadelt. Und wie das Tennis-Mekka Wimbledon hält sich die Marke Ferrari, die längst auch Statussymbol des Jetsets und Teil der Popkultur geworden ist, für größer als jeder noch so berühmter Champion.

Formel 1 ohne Ferrari nahezu undenkbar

Dazu passt, dass Formel-1-Boss Bernie Ecclestone, der seine 100-Millionen-Euro-Geldauflage als Folge eines Bestechungsprozesses aus der Portokasse begleichen konnte, dem Traditionsrennstall neben dem größten Prämienanteil an der Rennserie auch diverse Sonderrechte eingeräumt hat. Hintergrund: Bloß keinen Rückzug der Italiener riskieren. Wusste Ecclestone doch, dass zwar auch Ferrari die Formel 1 zur Bewahrung seines Rufes benötigt, umgekehrt die Formel 1 ohne Ferrari aber nahezu undenkbar wäre.

Hätte er die Möglichkeit, würde sich Ecclestone am liebsten noch den passenden Fahrer schnitzen. Einen mit hohem Glamour-Faktor, den er schon Schumacher absprach und heute auch bei Vettel vermisst. „Manche Fahrer“, nörgelte der 84-jährige Milliardär, dem ein nicht unerheblicher Schurken-Faktor nachgesagt wird, unlängst wieder, „denken, ihr Job ist es, nur Rennen zu fahren. Es ist aber mehr als das.“

Wer aus einem sportlichen Wettkampf einen mehr als fragwürdigen Renn-Zirkus gemacht hat, kann sich offenbar nicht mehr vorstellen, dass Rennfahrer sich ausschließlich als Sportler verstehen. Ohne daran zu denken, wie sie den Boulevard bedienen könnten.