Das aktuelle Wetter NRW 7°C
Kommentar

Verwerflich und kurzsichtig

31.10.2012 | 18:15 Uhr

Wer eine Mütter-Kur beantragt, hat sie im Normalfall auch nötig. Deshalb ist es nicht nur verwerflich, wenn die Krankenkassen hilfesuchende Frauen abwimmeln, sondern auch kurzsichtig. Ein Kommentar.

Mag sein, dass es immer mal wieder einige Frauen gibt, die einfach nur drei Wochen preiswerten „Urlaub“ an der See machen wollen, und deshalb eine Kur beantragen. Der Normalfall ist das aber nicht. Im Gegenteil: Frauen, die sich eine solche Aus-zeit wünschen, haben es bitter nötig. Und zwar mehr denn je: Denn der Anteil der Mütter, die mit Erschöpfungssyndromen bis zum Burn-out in die Kliniken kommen, hat sich seit 2003 um 81 Prozent erhöht.

Der größte Teil der Frauen, die Hilfe suchen, ist erwerbstätig - und damit ständig einer Doppelbeanspruchung ausgesetzt. Und die Liste weiterer Belastungen ist lang: Zu Job und Kindern gesellen sich mitunter noch die Pflege von Angehörigen, Druck bei der Arbeit, Partnerschaftsprobleme und finanzielle Sorgen.

Wie gut, dass es die Möglichkeit gibt, bei einer Kur drei Wochen aufzutanken und neue Kraft zu sammeln, um wieder für den Alltag gerüstet zu sein. Krankenkassen, die Anträge abwimmeln, handeln nicht nur moralisch verwerflich, sondern auch kurzsichtig. Denn wenn die Belastung immer größer wird, folgt irgendwann unweigerlich der Zusammenbruch. Und da gibt es dann keine Möglichkeit mehr, Leistungen abzulehnen und Kosten zu sparen.

Katja Sponholz



Kommentare
02.11.2012
09:47
Verwerflich und kurzsichtig
von Vatta | #1

Dieser Kommentar ist ein Schlag ins Gesicht für viele Schmerzpatienten, chronisch kranke, Unfallopfer und allen anderen, die von den Krankenkassen mit ihren Leiden, Schmerzen, finanziellen Sorgen und Problemen an Arbeitsplatz und der Partnerschaft ebenfalls allein gelassen werden.
Ein Bandscheibenpatient z.B. muss teilweise monatelang unerträglische Schmerzen erleiden. An Schmerzmitteln und Therapien aber gibt es erstmal nur die billig - Lösungen von der Kasse. Dieser Patient hat sich jedoch nicht freiwillig zu einem Bandscheibenvorfall entschieden um dann hinterher rumzujammern, wie schlimm das ist. Wenn man sich Kinder anschafft, sollte frau vorher wissen, das die Realität durchaus stressiger als aussehen wird, als in bei Barbie und Ken im Puppenhäuschen.

Aus dem Ressort
Gewagter Versuch
Rot-Rot-Grün
Das wird noch spannend in Thüringen: Die doppelte Premiere einer rot-rot-grünen Koalition unter einem Linken-Regierungschef wäre auch bei anderen Mehrheitsverhältnissen ein gewagtes Experiment. Mit dem Ein-Stimmen-Vorsprung aber wird der jetzt angebahnte Koalitions-Versuch fast zum Hasard-Spiel. Der...
Abschied von der Nasenotter
Politik
Schluss mit Krustenechse in Herne und Pfeilgiftfrosch in Gladbeck. Es war höchste Zeit, dass die Behörden sich gründlicher mit dem giftigen Gewimmel in der Wohnung nebenan befassen. Denn jenseits der Fragen, was man den Tierchen antut, wenn man von artgerechter Haltung wenig versteht, und was einen...
Politische Flucht nach vorn
Flüchtlingsgipfel
Die Landesregierung suchte mit ihrem „Flüchtlingsgipfel“ die politische Flucht nach vorn. Je mehr über die Situation nordrhein-westfälischer Asylbewerber im Allgemeinen diskutiert wird, desto schneller versenden sich Fragen nach dem konkreten Aufsichtsversagen der Behörden in den Landesunterkünften....
Frankreichs gefährliches Spiel
Finanzpolitik
Die französische Regierung ist zwar dringend auf deutsche Unterstützung angewiesen, um einen Eklat mit der EU-Kommission wegen fortgesetzter Verstöße gegen Defizitvorgaben zu verhindern. Doch als Bittsteller auf der Schuldensünder-Bank will Frankreich nicht sitzen.
Arbeitgeber sind jetzt gefragt
Kita
Starre Zeiten passten nicht mehr in die Arbeitsrealität von Müttern und Vätern. Stimmt. Recht haben auch die Kritiker. Wer soll das bezahlen? Schon jetzt haben die Erzieherinnen viel zu viel zu tun.
Schäuble und die "schwarze Null"
Konjunktur-Debatte
Wird Deutschland die Finanzkrise weiter durchstehen? Der raue Ton in der Großen Koalition, härtere Konflikte zwischen Bund und Ländern und die vage Position des Finanzministers lassen Ungutes ahnen. Wenn es richtig ist, was kolportiert wird, betrachtet Schäuble die schwarze Null als unhaltbar.
Bischöflicher Zweckoptimismus
Weltsynode
Warum hat es nun eigentlich die sensationelle Befragung der Gläubigen der katholischen Kirche gebraucht? Die vatikanische Bischofssynode hat sich nicht auf einen neuen Kurs zu umstrittenen Themen wie Homo-Ehe und dem Umgang mit Geschiedenen einigen können. Es droht eine Schlammschlacht.
Mehrurlaub für Ältere ist keine Diskriminierung Jüngerer
Politik
Rechtfertigen zwei Urlaubstage mehr für ältere Kollegen im Betrieb den Gang vor das Bundesarbeitsgericht? Einige Beschäftigte eines Schuhherstellers sahen das offenbar so, weil sie sich diskriminiert fühlten und ebenfalls Anspruch auf mehr Urlaub geltend machen wollten. Sie sind gestern in Erfurt...
Sepp Blatter, Schalke 04 und die Heuchelei zum Thema Katar
Kommentar
Fifa-Boss Sepp Blatter hat sich noch einmal für eine Winter-WM Katar stark gemacht. Die Bundesligisten Schalke 04 und Bayern München können ihm schon mal über ihre Erfahrungen berichten - denn die Verhältnisse im Wüstenstaat. Ein Kommentar
Warum die BVB-Krise in München keine Häme auslöst
Kommentar
Borussia Dortmunds Krisen-Start hat zwangsläufig schon den ein oder anderen hämischen Kommentar provoziert - nur aus München nicht. Aus gutem Grund. Ein Kommentar
Schäuble und die schwarze Null
Konjunktur
Die Stimmung kippt. Es ist die Vorahnung einer Stagnation. Seit Wirtschaftsminister Gabriel die Konjunkturprognose absenkte, ist eine Ausnahmestellung fraglich: Ob Deutschland die Finanzkrise wie seit 2008 weiter robust durchstehen wird? Für die Unruhe gibt es genug Belege, der raue Umgangston in...
Das Glas ist halb voll
Katholische Kirche
Wer die Ergebnisse der vatikanischen Bischofssynode anschaut, fragt sich unwillkürlich, weshalb es dafür die sensationelle, vorgängige Befragung der Gläubigen gebraucht hat. Dass das Gremium der Oberhirten auf die Lebenswirklichkeiten von heute und auf die Probleme der Katholiken mit der Lehre ihrer...
Skepsis ist angebracht
Fussball
Alles neu auf Schalke mit Roberto Di Matteo? Die Hoffnung bei den Verantwortlichen des Fußball-Bundesligisten ist groß, dass jetzt alles besser wird. Heute treffen die Königsblauen auf Hertha BSC - ein Kommentar:
Schützenhilfe für die Arbeitgeber
Bahnstreik
Natürlich nervt die GDL. Erneut müssen Zehntausende Bahnkunden umdisponieren, erneut wird sich auf den Schienen so gut wie nichts bewegen, diesmal ein ganzes Wochenende lang. Die Lokführer und ihr radikaler Gewerkschaftsboss Claus Weselsky führen keine lasche Tarifauseindersetzung, sondern einen...
Eine Niederlage – und doch ein Sieg
Praktikanten-Urteil
1728 Stunden in einem Supermarkt gearbeitet und doch keinen Anspruch auf Lohn, weil es ein Praktikum war und keine reguläre Arbeitsstelle: Das Landesarbeitsgericht hat letztinstanzlich die Hoffnung einer jungen Frau auf 17 281,50 Euro Lohnzahlung zunichte gemacht – und gezeigt, dass schlechte Chefs...
Besondere Art der Diplomatie
Ukraine-Konflikt
Wer sicherstellen will, dass ein Dialog zu keinem Ergebnis führt, verhält sich am besten so, wie Putin, Merkel und Obama kurz vor Beginn der Gespräche über die Ukraine-Krise in Mailand. Da ätzt der US-Präsident über den großen Teich, die russische Aggression sei eine Bedrohung des Weltfriedens. Da...
Privatleben auf Eis gelegt
Idee von Apple und...
Die US-Konzerne Apple und Facebook wollen Mitarbeiterinnen mit üppigen Bonuszahlungen belohnen, wenn sie ihren Kinderwunsch hintenan stellen und erst einmal im Job Gas geben. Ist das nicht eine neue Dimension von Profitgier zweier Arbeitgeber, weil die Werte Familie und Karriere kühl wie nie...
Türkei riskiert die Isolation
PKK
Mit den untätig dem drohenden Fall der kurdischen Stadt Kobane zuschauenden türkischen Streitkräften, die zugleich Luftangriffe auf Stellungen der kurdischen PKK im eigenen Land fliegen, zeigt Ankara sein wahres Gesicht. Zugleich macht die offizielle Türkei damit (bündnis-)politische und...
Nicht nur Chefsache
Flüchtlingsgipfel
Ein Kommentar von
Armer Juniorpartner
Rot-Rot-Grün
Ein Kommentar von
Die richtige Strategie oder Wunschdenken?
Einbruchskriminalität
Trommeln gehört zum Handwerk eines Politikers. Dass NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) „weniger Wohnungseinbrüche und eine höhere Aufklärungsquote“ bejubelt, mag als gute Nachricht an das latent brüchige Sicherheitsgefühl der Bürger zu werten sein. Die auf den ersten Blick erfreuliche Bilanz darf...
Standortfaktor Schulleitung
Schulleiter-Mangel
Ein Kommentar von Nina Grunsky
Auf einem guten Weg
Kommentar
Auch wenn vielleicht der ganze große Durchbruch ausgeblieben ist – die Familiensynode im Vatikan war ein bemerkenswerter Erfolg.
Weselsky ist nicht der Alleinschuldige
Bahnstreik
Natürlich schlagen jetzt alle auf Claus Weselsky ein. Wie kann der Mann nur? Ein Bahnstreik an einem Ferienwochenende! So ein Egomane, kann denn keiner diesen Größenwahnsinnigen stoppen? Und richtig ist: Dieser Streik ist unangemessen, auch, weil er der Bahn als Verkehrsträger schaden dürfte. Dass...
Die zweite Chance fürs Königreich
Referendum
Die Schotten haben sich in ihrem Referendum gegen die Unabhängigkeit entschieden - und für den Verbleib im Vereinigten Königreich. Das ist gut, aber es ist noch nicht das letzte Wort. Wer jetzt Ruhe für die nächsten 300 Jahre erwartet, dürfte enttäuscht werden und zwar schon bald. Ein Kommentar
Die Vernunft der Schotten muss belohnt werden
Kommentar
Die Schotten haben sich in ihrem Referendum gegen die Unabhängigkeit entschieden - und für den Verbleib im Vereinigten Königreich. Das ist gut, aber es ist noch nicht das letzte Wort. Wer jetzt Ruhe für die nächsten 300 Jahre erwartet, dürfte enttäuscht werden und zwar schon bald. Ein Kommentar
Der Linken geht ein Stück Professionalität verloren
Linke-Parteitag
Von einem Aufbruch ist die Partei Die Linke nach der Wahl von Katja Kipping und Bernd Riexinger zur neuen Führungsspitze weit entfernt. Im Gegenteil: Das unerfahrene Duo könnte sich für die Linkspartei zu einem klassischen Eigentor entwickeln. Ein Kommentar.
Der Mut der Verzweiflung
Thyssen-Krupp
Ist es Mut oder pure Verzweiflung, die Vorstand und Aufsichtsrat von Thyssen-Krupp zum Abschied aus dem Stahlgeschäft in Übersee treiben? Es ist ganz klar beides.
Seehofer wettert gegen Röttgen - Ausbruch des Alpenvulkans
Seehofer
Horst Seehofer hat die Schweigemauer durchbrochen. Der CSU-Chef erlaubte dem "heute journal"-Moderator Claus Kleber die Veröffentlichung seiner Attacke auf Bundesumweltminister Röttgen. Viele Bürger werden den Ausbruch des Alpenvulkans zu schätzen wissen. Ein Kommentar.
Fotos und Videos
Oscar de la Renta ist tot
Bildgalerie
Designer
120 Jahre Bus und Bahn in Essen
Bildgalerie
Historische Fotos
Weitere Nachrichten aus dem Ressort