Vernünftig und problematisch

Wieso ist im Fernsehen und in Zeitschriften schon lange verboten, was im Kino und auf Plakaten noch erlaubt ist? Die Zigarettenwerbung, die eine bestimmte Marke mit einem attraktiven Lebensstil verbindet, würde nicht einmal den Rauchern fehlen. Auch Mitleid mit der Tabakindustrie, die seit vielen Jahrzehnten mit suchterzeugenden und gesundheitsschädlichen Produkten sehr viel Geld verdient, kommt schwer auf. Jugendschutz ist wichtiger. Für sich genommen wäre also ein komplettes Werbeverbot für Tabakprodukte, wie sie der für Ernährung (aber nicht Gesundheit) zuständige Bundesminister fordert, nur logisch.

Nur steht es eben nicht allein. Bald werden Bilder von Tumoren auf Zigarettenschachteln zu sehen sein. Forderungen nach Rauchverboten in Film und Fernsehen, in der Öffentlichkeit, in Privatwohnungen und auf Balkonen nehmen zu. Warum dann nicht Tabak ganz verbieten? Alkohol, Zucker und Fett gleich mit? Oder zumindest die Werbung dafür? Weil dort, anders als bei Nikotin, nur das Übermaß schadet? Natürlich ist es vernünftig, nicht zu rauchen, Sport zu treiben und darüber nachzudenken, was man isst und trinkt. Aber wir haben auch ein Anrecht auf die Freiheit, uns unvernünftig zu verhalten. Die Sorge vor der Entwicklung zu einer sanften Erziehungsdiktatur macht den eigentlich harmlosen Vorstoß von Christian Schmidt problematisch.