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Vermeidbare Dramen

25.01.2013 | 22:53 Uhr
Vermeidbare Dramen

Die Wirtschaft muss sich besser um ihre Azubis kümmern – wie das geht machen die Branchen vor, in denen die Abbrecher-Quote niedrig ist.

Betriebspraktika, Girls- (und immer mehr Boys-)Days oder Treffen mit Berufsberatern – auf den Start ins Arbeitsleben dürfte keine Schülergeneration besser vorbereitet gewesen sein als die heutige. Und doch steigt die Zahl derer, die während der Ausbildung das Handtuch werfen. Eine bittere Entwicklung – hinterlässt doch jeder Ausbildungsabbruch einen Knick in einem jungen Lebenslauf, einen auf Monate leeren Ausbildungsplatz und einen Jugendlichen, der sich zusätzlich in die Schar der Suchenden einreiht. Abgesehen von der persönlichen Tragik bedeutet die hohe Abbrecherquote also vor allem individuelle und volkswirtschaftliche Kosten, die oft vermeidbar wären.

Natürlich stimmt, was Fachleute sagen: Die Gründe für einen Ausbildungsabbruch sind vielfältig – Probleme mit dem Chef, eine Insolvenz oder gesundheitliche Schwierigkeiten hat es immer schon gegeben. Sie erklären aber kaum den Anstieg der Abbrecherzahl.

Eine Erklärung dürfte in einem Missverhältnis auf dem Ausbildungsmarkt liegen: Zwar gab es zuletzt rein statistisch genügend freie Stellen – faktisch sind jedoch viele Jugendliche in Ausbildungen gekommen, die nicht auf ihrem Wunschzettel standen. Das kann funktionieren, geht aber offenbar auch oft daneben.

Aufschlussreich ist ein Blick auf die Branchen, in denen viele Azubis aufgeben: Friseure und Köche etwa gehören auch in der Azubi-Umfrage des DGB zu den Berufen mit den unzufriedeneren Auszubildenden. Elektroniker und Bankkaufleute mit Abbrecher-Quoten unter zehn Prozent waren auch in der Umfrage die Ausbildungsberufe mit den besten Bewertungen. Bezahlung, Betreuung, Arbeitszeiten – was attraktive Ausbildungsplätze ausmacht, führt der DGB-Report auf. Mancher Betrieb sollte sich diesen noch einmal anschauen: Angesichts sinkender Schülerzahlen wird es im Gerangel um künftige Fachkräfte immer wichtiger, als attraktiver Ausbilder zu gelten.

Und Schüler sollten trotz aller Infos im Zweifel noch ein weiteres (Ferien-)Praktikum einschieben. Der Aufwand ist allemal überschaubarer als eine geschmissene Lehre.

Thomas Rünker (t.ruenker@nrz.de)

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