Überraschend, aber nicht mutig

Eine überraschende, eine richtige Entscheidung: Thomas Schneider darf Trainer des VfB Stuttgart bleiben. Vorerst. Er wird auch im Kellerduell gegen Braunschweig auf der Bank sitzen. Für eine klare und mutige, weil längerfristige Entscheidung reichte es in der Chefetage nicht. Vielleicht war sie auch zu schwierig.

Acht Niederlagen in Folge haben den VfB nah an den Abstiegssumpf herangeführt. Dem Verein drohen im Falle des Gangs in die 2. Liga Millionenverluste. Welcher Präsident und Aufsichtsrat möchte das schon verantworten?

Doch es wäre ein Zeichen an das Umfeld gewesen, wenn man Schneider eine Jobgarantie gegeben hätte. Nur wenige Clubs haben in der jüngeren Vergangenheit so oft ihre Übungsleiter ausgewechselt wie die Schwaben. Man wollte weg vom Schleudersitz-Image. Der junge Trainer war engagiert worden, weil man von ihm „100-prozentig überzeugt“ war, weil er Leuten aus dem Nachwuchs das Vertrauen schenkt. Eine weitsichtige Perspektive also, für die man auch zur Not durchs tiefe Tal gehen muss – wenn man konsequent ist. So bleibt Schneider möglicherweise nur noch ein Spiel Zeit, um sich zu beweisen.

Am Ende der Saison wird der VfB sich neu ausrichten. Egal, wie das Abenteuer ausgeht. Und dann wird sich Sportvorstand Fredi Bobic erklären müssen. Er hat den immer noch sehr teuren Kader zusammengestellt. Seine Verantwortung für die sportliche Misere wird derzeit erstaunlich zurückhaltend beleuchtet.