Trotz allem weiter sprechen

Norbert Lammert ist dafür bekannt, dass er Klartext reden kann. Fast zwei Jahre lang hat das politische Berlin mit sich gerungen, wie es umgehen soll mit den neuen, rabiaten Machthabern rund um Ex-Feldmarschall Sissi in Kairo. Die Menschenrechtsverletzungen am Nil sprengen inzwischen jede Dimension, während die Zahl der Bombenanschläge und Attentate exponentiell steigt.

Doch Ägyptens herrschende politische Klasse rührt das genauso wenig wie die nackte Armut von mindestens der Hälfte ihrer eigenen Landsleute. Stattdessen inszeniert sie sich als globales Vorbild im Kampf gegen den Terror, als der einzige noch aufrechte Titan im Nahen Osten gegen die Apokalypse des Islamismus. Jeder, der zur Mäßigung rät, wird als Naivling, ausländischer Agent oder verkappter Muslimbruder denunziert. Und so schaukeln sich Repression und Gewalt immer weiter hoch. Obendrein will das Regime nun auch noch die gesamte von ihm abgesetzte ehemalige Staatsspitze der Muslimbruderschaft an den Galgen bringen.

Trotzdem ist es richtig, dass Angela Merkel die Einladung an Sissi aufrecht erhält, dem ohne Zweifel sein bisher schwierigster Staatsbesuch bevorsteht. Denn die Alternativen wären Sprachlosigkeit, totale Eiszeit und überhaupt kein Einfluss mehr auf das erratische Geschehen am Nil.