Verkehr

Total abgefahren – Debatte um die Bahncard

Ein Kommentar von Nina Grunsky

Gelb hat die Bahn schon vor mehr als zehn Jahren einmal gesehen, als sie die Bahncard 50 abschaffen wollte. Damals löste das Unternehmen mit seinen Plänen heftige Proteste aus. Die Kunden stiegen aus – bis die Bahncard 50 nach nicht einmal einem Jahr wieder zurückkehrte.

Ziemlich abgefahren wäre es also, würde die Bahn die Karte nun erneut in Frage stellen. Längst nämlich hat diese eine sichere Platzreservierung bei den Kunden: Mehr als fünf Millionen haben sie in diesem Jahr genutzt. Würde sie abgeschafft, sattelten vermutlich noch mehr Menschen auf Fernbusse und Privatautos um. Insofern ist die Zusage des Unternehmens zu begrüßen, dass die Bahncard bleibt, man nur über das Preissystem und zusätzliche Rabattformen nachdenke.

Eine gute Nachricht muss das allerdings längst nicht sein. Es liegt vermutlich nicht an der Höhe der Preise allein, dass immer mehr Reisende Fernbusse buchen, wieder verstärkt Mitfahrgelegenheiten nutzen. Dass die Bahn aber ihr höchst komplexes Tarifsystem tatsächlich so verbessert, dass die Bürger einigermaßen durchblicken, wie sie für ihre Reise den geeigneten Tarif und die beste Verbindung finden, darf getrost bezweifelt werden. Dass sie ihre Beratung in Zeiten von Online-Ticket-Buchungen so optimiert, um die Reisenden wirklich gut zu informieren, auch.

Das allerdings sind nur zwei der falsch gestellten Weichen, die die Bahn immer noch in die verkehrte Richtung fahren lassen. Zugegeben, zwei von vielen. Es gibt zahlreiche andere. Zum Beispiel eine Politik, die sich im Fernverkehr nach wie vor nicht wirklich um faire Wettbewerbsbedingungen kümmert.