Tauziehen um Gladbachs Sinan Kurt - Ausbildungsvereine gehören geschützt

Noch ist unklar, wie lange Gladbachs Jung-Talent Sinan Kurt im Fohlen-Stall bleibt.
Noch ist unklar, wie lange Gladbachs Jung-Talent Sinan Kurt im Fohlen-Stall bleibt.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Wird das Tauziehen zwischen Borussia Mönchengladbach und Bayern München um Sinan Kurt vor Gericht entschieden, steht mehr als nur ein Wechsel auf dem Spiel. Es geht um den Schutz der Ausbildungsvereine. Ein Kommentar.

Essen.. Fußball-Weltmeister Christoph Kramer verglich unlängst die Praktiken im Profifußball mit Menschenhandel. Angesichts der Verbrechen, die hinter einem solchen Tatbestand stecken, eine unglückliche Wortwahl, für die sich der 23-Jährige inzwischen entschuldigt hat. Auch wenn man ahnte, was Kramer im weitesten Sinne gemeint hatte – seit dem Bosman-Urteil, das Profis nach Ablauf ihres Vertrages einen ablösefreien Wechsel erlaubt, sitzen die Spieler gegenüber den Vereinen grundsätzlich am längeren Hebel (Stichwort: Ausstiegsklausel).

Die Waage könnte schon bald noch weiter zugunsten der Fußball-Legionäre ausschlagen, sollte die im Tauziehen um den 18-jährigen Gladbacher Sinan Kurt angedrohte Klage des Spielerberaters zum Erfolg führen. Es geht darum, ob Verträge, die mit Minderjährigen geschlossen wurden, ab dem 18. Lebensjahr kündbar sind. In diesem Fall könnte Kurt, der bei der Borussia ausgebildet wurde, bereits 2015 und nicht erst 2016 (solange läuft sein Vertrag) ablösefrei zu Bayern München wechseln. Was naturgemäß Einfluss auf eine in diesem Sommer noch zu erzielende Ablösesumme hätte.

Welche Tragweite der Vorgang hat, macht die Reaktion des Bochumer Sportvorstandes Christian Hochstätter deutlich, der gerade seinen Jugendspieler Lukas Klostermann nach Leipzig ziehen lassen musste. Sollten die Klubs, so Hochstätter, „künftig keinen Zugriff mehr auf die eigenen Talente haben, können wir den Betrieb einstellen“. Damit es nicht so weit kommt, darf bei einer juristischen Bewertung der Schutz der Ausbildungsbetriebe nicht unberücksichtigt bleiben. Mit Menschenhandel hat dies nichts im entferntesten zu tun.