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Demografie

Strategie gegen das Schrumpfen fehlt

03.10.2012 | 18:44 Uhr
Strategie gegen das Schrumpfen fehlt
Wenn die Bevölkerungszahl deutlich schrumpft, dann wird es auch nicht möglich sein, für gleichwertige Lebensbedingungen in der Stadt und auf dem Land zu sorgen.Foto: Dirk Bauer/WAZ FotoPool
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Beim demografischen Wandel handelt es sich um einen sehr abstrakten Begriff. Doch dieser Wandel hat immense Folgen für jeden.

Wie viel Rente werde ich später noch bekommen? Wer kümmert sich um mich im Alter? Muss ich bald in die Stadt ziehen, weil mein Dorf verödet? Zugegeben, beim demografischen Wandel handelt es sich um einen sehr abstrakten Begriff. Doch dieser Wandel hat immense Folgen für jeden.

Die Bevölkerung schrumpft, und die Bürger werden älter. Es gibt immer weniger Arbeitnehmer, die später die Renten schultern müssen. Die Wirtschaftsleistung könnte sinken, weil Fachkräfte fehlen, die Erwerbstätigen älter und womöglich weniger leistungsfähig werden. Ganze Landstriche drohen auszubluten, weil es die Menschen in die Städte zieht. In der Provinz wird der Erhalt der Infrastruktur immer schwerer. Immobilien verlieren dort an Wert.

Diese Beispiele zeigen, wie überfällig es war, dass sich die Regierung des Themas angenommen hat. Doch vom Demografiegipfel wird man, abgesehen von schönen Bildern und Absichtserklärungen, nicht viel erwarten können. Das liegt auch an der Demografiestrategie der Regierung. Dort hat sie alle Programme, Projekte und Ideen zusammengeschrieben, die die Folgen des Wandels irgendwie abmildern sollen. Freilich geht manches in die richtige Richtung, etwa die bessere Kinderbetreuung und Förderung flexibler Arbeitszeiten für Frauen. Ob sie deswegen mehr Kinder bekommen, steht in den Sternen.

Dem Konzept fehlt aber die große Strategie. Über allem schwebt auch die Frage, wie viele Menschen später in Deutschland tatsächlich leben sollen. Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob es 65 oder 80 Millionen sind. Wenn die Bevölkerungszahl deutlich schrumpft, dann wird es auch nicht möglich sein, für gleichwertige Lebensbedingungen in der Stadt und auf dem Land zu sorgen. Auch das gehört zur Wahrheit. Insofern haben Demografieexperten recht: Wir müssen lernen, das Schrumpfen zu organisieren.

Davon ist man heute weit entfernt. Auf dem Gipfel geht es um die Einsetzung von Arbeitsgruppen, die bis zum Frühjahr Ergebnisse liefern sollen. Ob diese umgesetzt werden, darf man bezweifeln. Denn dann geht es in den Wahlkampf.

Daniel Freudenreich

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Kommentare
04.10.2012
08:16
Nicht nur der Demografiewandel, auch die Abwanderung sorgt dafür, dass die Bevölkerung schrumpft:
von nachdenken | #2

Wegen der Agenda 2010 sind ja hunderttausende Menschen (jung, ausgebildet) ins Ausland abgewandert. Weil sie keine adäquat bezahlte Arbeit, einen Ausbildungsplatz erhalten haben und dann noch mit Hartz IV abgesempelt wurden.
Jahrelang hatten wir die Schlagzeilen, dass das die höchsten Auswanderungszahlen seit dem 2. Weltkrieg seien.
Das sind die Fachkräfte, die jetzt in Norwegen, Kanada und Neuseeland arbeiten und Kinder kriegen....
Auch eine Frage der Umverteilung. Wiedermal oder immer noch.

04.10.2012
00:57
Strategie gegen das Schrumpfen fehlt
von Plem | #1

So weit ich weiß, ist das ORGANISIERTE SCHRUMPFEN der Gesellschaft noch niemals Diskussionsthema gewesen.

Die Demographie, also die stetig alternde Gesellschaft, hat auch schon in den deutschen Vorgängerstaaten vom Kaiserreich bis zum Dritten Reich und natürlich auch schon öfters in der Bundesrepublik Anlaß zu heftigen Diskussionen gegeben. Aber niemals ist es zu einer der immer wieder beschriebenen Katastrophenszenarien gekommen.

Wir könnten es uns in der Tat leisten, die Gesellschaft kontrolliert von 80 auf 60 Mio Einwohner schrumpfen zu lassen. Das Geld dazu ist vorhanden, aber nicht da, wo es gebraucht wird. Es ist ein reines Verteilungsproblem, aber solange der Staat das für diese Umstrukturierung benötigte Geld nicht einsammelt, sondern weiterhin von unten nach oben umschichtet, ist es völlig absurd, auch nur ansatzweise über die Lösung dieses Problems diskutieren zu wollen.

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