SPD-Kanzlerkandidat

Steinbrücks Kampf

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück reißt die Partei in den Keller.
SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück reißt die Partei in den Keller.
Foto: dapd/Nigel Treblin

Es fällt schon auf, erst Gabriel, nun Steinmeier, Oppermann. Die halbe SPD-Spitze meldet sich zu Wort und hat aus gegebenem Anlass eine Botschaft: Peer Steinbrück bleibt Kanzlerkandidat. Dass man es aussprechen muss, ist die eigentliche Verlegenheit. Forsa ermittelte für die Partei bloß 23 Prozent. Die Zahl mag von Institut zu Institut abweichen – der Trend nicht. Es geht abwärts. Der Kandidat reißt die Partei in den Keller. Umfragen wirken – das liegt in der Natur der Sache – wie sich selbst erfüllende Prophezeiungen. Es gibt einen Trend – den verstärkt Forsa. Die 23 Prozent betreffen nicht Niedersachsen. Ein Stimmungskiller sind sie trotzdem. Wechselwähler kommen ins Grübeln. Die 23 Prozent sprechen nicht für einen Last-Minute-Schub für die SPD.

Es ist auch ein persönliches Drama. Steinbrück wurde nicht nominiert, weil die Basis ihn bekniet hatte. Es war weniger eine Frage der Zuneigung, mehr des Kalküls. Für ihn sprachen Popularität, Prozente. Mit ihm wollte man fremdelnde Wähler gewinnen. Was spricht noch für ihn, wenn die Rechnung nicht aufgehen sollte? Respekt verdient, wie klaglos die SPD den Ärger über manches Ungeschick ihres Kandidaten herunterschluckt.

Die Bundestagswahl ist ein langer Boxkampf, zwölf Runden. Gerade ist der Gong zum ersten Mal ertönt, der Kämpfer der SPD liegt in den Seilen, Auge blau, Lippe aufgeschlagen, die Betreuer versuchen, das Blut zu stillen. Es gab schon Boxer, die auch dann gewonnen haben. Selten.

Verliert die SPD in Niedersachsen, wird eine Diskussion aufkommen. Dann muss Parteichef Gabriel schnell handeln und sie stoppen. Die Führung muss sich um Steinbrück scharen. Ihn auszutauschen wäre jetzt kopflos. Es würde den Zerfallsprozess schwerlich aufhalten. Die SPD sollte sich auf Merkel fokussieren. Ihre Regierung wird kritisiert, sie selbst nicht. Dieses gespaltene Bewusstsein – bei DGB-Chef Sommer zu beobachten – ist das Problem. Die SPD muss Merkel beikommen. Dann kommt auch ihr Kanzlerkandidat wieder in die Spur.

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