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Steinbrück und ThyssenKrupp - noch ein Geschmäckle mehr

08.01.2013 | 19:11 Uhr
Peer Steinbrück bot ThyssenKrupp politische Unterstützung anFoto: dapd

Essen.  Ein Kanzlerkandidat in der Klemme: Peer Steinbrück sorgt erneut mit umstrittenen Äußerungen für Aufsehen. Als Aufsichtsratsmitglied bei ThyssenKrupp bot er seine politische Unterstützung für das Unternehmen an. Das belegen Protokolle, die der WAZ Mediengruppe vorliegen. Ein Kommentar.

Man könnte es sich einfach ­machen: jegliche Nebentätigkeit von Abgeordneten als korruptionsgefährdete Zone abtun und einem Verbot das Wort reden. Peer Steinbrück hätte in einem solchen Deutschland weniger Probleme, das Land dafür mehr.

Erstens ist die Fachkenntnis von Selbstständigen im Bundestag zu wertvoll, um sie dem Status eines hauptamtlichen Abgeordneten zu opfern; zweitens macht es Abgeordnete auch nicht dümmer, wenn sie in Aufsichtsräten hautnah mit Problemen der Wirtschaft konfrontiert sind. Was aber bleibt, ist der programmierte Interessenkonflikt.

Für jeden Abgeordneten steht die Ausübung seines Mandats im ­Mittelpunkt, so steht es im Gesetz. Damit sollte klar sein, dass ein ­Abgeordneter Steinbrück in erster Linie dem Volkswohl verpflichtet ist, selbst wenn er als Aufsichtsrat von Thyssen-Krupp auch dem Unternehmenswohl verpflichtet ist.

Kanzlerkandidat Peer Steinbrück

Beides muss kein Gegensatz sein, deshalb muss man schon genau hinschauen. Und da wird’s dann doch wieder schwierig für den Problem-Kandi­daten der SPD. Der Rat zum Verschweigen des Schienenkartells – den hätte sich der Abgeordnete Steinbrück im Aufsichtsrat besser verkniffen. Schließlich ist die öffentliche Hand durch illegale Preis­absprachen unter Beteiligung von Thyssen-Krupp geschädigt worden.

Mithin steht die Unabhängigkeit des Fachmannes Steinbrück infrage. Es bleibt ein Geschmäckle . Wieder mal. Wie viele Geschmäckle machen eigentlich aus dem Beigeschmack des Unkorrekten einen Geschmack?

Thomas Wels

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Kommentare
10.01.2013
01:56
Steinbrück und ThyssenKrupp - noch ein Geschmäckle mehr
von DerOekonom | #30

Wie schreibt der Kommentator so schön "Und da wird’s dann doch wieder schwierig für den Problem-Kandi­daten der SPD". Es ist schon auffällig mit welcher Konsequenz und Verbissenheit die WAZ die Kanditatur des "Problem-Kanditaten" Steinbrück angreift. Da wird auch nicht davor zurück geschreckt aus internen Protokollen selektiv zu zitieren. Wenn man sich schon das Deckmäntelchen des investigativen Jounalismus umhängen möchte um die eigentlichen Interessen zu kaschieren denn wäre es guter Journalismus gewesen das Protkoll entweder ganz veröffentlichen oder garnicht. So bleibt in der Tat ein Geschmäckle. Aber auf Seiten der WAZ mindestens so groß wie auf Seiten des "Problem-Kanditaten".

3 Antworten
Steinbrück und ThyssenKrupp - noch ein Geschmäckle mehr
von Jorgel | #30-1

Natürlich gibt es in jedem Gremium Leute, denen schon mal auf die Füße getreten wurden. Die lassen dann schon mal interne Dokumente der Presse zukommen. Die Presse nennt solche Leute Informanten - und braucht deren Daten auch nicht herausgeben.

Das ist seit Jahren gängige Praxis. Jetzt hat es eben mal die SPD getroffen. Als der WAZ damals interne E-Mails aus der CDU-Fraktion zugespielt wurden, waren die SPD-Anhänger nicht so pingelig. Also hört auf zu heulen...

Die politische Diskussionskultur der WAZ ist mangelhaft
von WhatDoesItAllMean | #30-2

@Jorgel

Würden die WAZ und andere doch mit solchen Argumenten arbeiten wie den Ihren und im besten Sinne aufklären, abwägen und auch Stellung beziehen, es wäre ein großer Fortschritt im Sinne einer politisch substantiellen Diskussion und einem verantwortungsvollen Handeln als Vierte Gewalt im Staate.

Leider polemisiert die WAZ aber seit Tagen und nachhaltig gegen läppische und noch dazu zutreffende Randbemerkungen und diskreditiert einen Kanzlerkandidaten nach Strich und Faden, als hinge die Kanzlerfähigkeit vom Preis des bevorzugten Weins oder von der absichtsvoll mißverstandenen Bemerkung zum Kanzlergehalt ab.

Shitstorm, Mobbing und Bashing sind die Mittel dieses Journalismus. Früher hätte man von extremer Übertriebenheit, Parteilichkeit und Ungerechtigkeit gesprochen. Es ist dasselbe Niveau, auf das Schröder sich einmal begab („Der Professor aus Heidelberg“) oder wie es ihm selbst widerfuhr („Wer sich die Haare färbt, frisiert auch jede Bilanz.“). Unterirdisch und indiskutabel.

Richtiger Adressat, falscher Kommentar
von WhatDoesItAllMean | #30-3

#30-2 bezieht sich auf Jorgel #28-1

10.01.2013
00:43
Alles hat einen Namen
von maria40 | #29

Wenn sich Konzerne zusammen den Markt aufteilen nennt man das bekanntlich Kartell
und das ist wohl irgendwie nicht mit der Marktwirtschaft zu vereinbaren,
mit dem Kapitalismus wohl schon da gibt es kein Gesetzbuch
....
Wenn sich Politiker zusammen den Staat aufteilen nennt mann das bekanntlich Korruption und Vetternwirtschaft
das ist auch nicht erlaubt in einem Rechtsstaat
nun haben wir aber halt auch Kapitalismus und da gelten oft andere Gesetze...

09.01.2013
17:15
Steinbrück und ThyssenKrupp - noch ein Geschmäckle mehr
von Satzball56 | #28

Was soll dieser jetzige Aufschrei??
Dann müsste man den Großteil unserer Abgeordneten, sowohl im Bundes-, als auch im Landtag zum Teufel jagen, denn sie alle sitzen in solchen Gremien, sogar runter bis auf kommunale Ebenen.
Und außerdem: Niemand muss ihn wählen und die schwarz – gelbe Koalition wird sich freuen, wenn kein Regierungswechsel stattfindet und sie ihre Familien- und arbeitsfeindliche Politik weitere fünf Jahre praktizieren kann und es somit noch mehr Bürger gibt, die trotz 40 oder 50 –Stunden-Wochen zum Sozialamt gehen müssen, weil der Verdienst zum Leben nicht reicht!!

1 Antwort
Steinbrück und ThyssenKrupp - noch ein Geschmäckle mehr
von Jorgel | #28-1

Nur mal zur Erinnerung: Die Agenda 2010 mit Hartz IV, sowie der massiven Ausweitung der Zeitarbeit und Geringverdiener, wurde von SPD und Grünen geschaffen. Gleichzeitig senkten sie die Steuern für Reiche in nie dagewesenem Ausmaß und führten in Deutschland zuvor nicht zugelassene Hedgefonds ein. Wahrlich alles soziale Großtaten...

09.01.2013
12:18
Steinbrück und ThyssenKrupp - noch ein Geschmäckle mehr
von amigo | #27

Peer Steinbrück sollte auf seine Kanzlerkandidatur verzichten und in die freie Wirtschaft wechseln. Dort bekommt er noch mehr Geld als ein Sparkassendirektor.
Allerdings wird sein Konterfei nicht mehr so oft in den Medien zu sehen sein. Und wie sein Parteifreund Wowereit aus Berlin sage ich: und das ist auch gut so!

09.01.2013
11:10
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Name von Moderation entfernt | #26

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09.01.2013
11:04
Steinbrück und ThyssenKrupp - noch ein Geschmäckle mehr
von Entschuldigung | #25

Entschuldigung,
aber

Es ist zu unterscheiden, wie jemand in den Aufsichtsrat kommt.
Als Vertreter oder in Sachen einer staatlichen demokratischen Institution, dann hat er nur Interessen der Allgemeinheit zu vertreten und nicht die Interessen des Unternehmens in die Organe bringenm.
Als Vertreter der Aktionäre, dann muss re sich an deren Interesssen ausrichten, sollte aber nicht unredlich sein, bzw. keine öffentliche Ämter anstreben!

09.01.2013
11:02
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Name von Moderation entfernt | #24

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2 Antworten
Steinbrück und ThyssenKrupp - noch ein Geschmäckle mehr
von ggggg | #24-1

Herrlich, Sie haben es genau auf den Punkt gebracht!

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Name von Moderation entfernt | #24-2

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09.01.2013
11:01
Steinbrück und ThyssenKrupp - noch ein Geschmäckle mehr
von Freisenbrucher | #23

Könnte es sein, dass ein einzelner Satz einem sicherlich umfangreichem Protokoll entnommen wurde wel es gerade passt. Liebe WAZ, vielleicht finden Sie ja noch eine Aussage Steinbruecks aus seiner Schülerzeit.

09.01.2013
11:00
So rum ist’s richtig: Aufsichtsratsmitgliedern haben sich für die Nöte ihrer Firmen nicht zu interessieren, schon gar nicht als Politiker
von WhatDoesItAllMean | #22

Ein schwacher Kommentar, der sich nichts traut. Statt klarer Ansage nur Allgemeines („Volkswohl“) und eine offene Frage („Geschmäckle oder schon Geschmack?“). Eine kräftige Antwort auf die gestellte Frage ist aber der Sinn eines Kommentars.

Wie also wäre denn dem Volkswohl als Aufsichtsrat und Politiker gedient? Hätte Steinbrück sagen sollen: „Tut mir leid, Freunde, eure Stromkosten gehen mir am A.... vorbei. Die zählen nämlich nicht zum Volkswohl. Und außerdem besteht meine Aufgabe als Politiker und Aufsichtsrat darin, niemandem konkret zu helfen, habt ihr gehört? Niemandem! Nehmt das ins Protokoll.“?

Energiekosten der Industrie gehören sehr wohl zum Volkswohl. Das Geschmäckle, nein, der Geschmack hängt vielmehr der Journaille an, die in jüngster Zeit ein Steinbrück-Bashing ohnegleichen inszeniert.

09.01.2013
10:41
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Name von Moderation entfernt | #21

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