Sepp Blatter, Schalke 04 und die Heuchelei zum Thema Katar

Macht sich für eine Winter-WM in Katar stark: Fifa-Boss Sepp Blatter.
Macht sich für eine Winter-WM in Katar stark: Fifa-Boss Sepp Blatter.
Foto: Ennio Leanza
Fifa-Boss Sepp Blatter hat sich noch einmal für eine Winter-WM in Katar stark gemacht. Auch die Bundesligisten Schalke 04 und Bayern München halten den Wüstenstaat für ein schönes Trainingsdomizil. Dabei gibt es gute Gründe, dem Wüstenstaat den Rücken zuzukehren. Ein Kommentar

Essen.. Die Welt ist ungerecht. Findet auch Sepp Blatter. Der Fifa-Boss sieht sich seit Jahren von einer Medien-Meute verfolgt. Grundlos, versteht sich. Konnte er denn auch ahnen, dass in Katar im Sommer keine so angenehmen Temperaturen wie an der Nordsee herrschen würden? Eben. Aber der Mann hat – angesichts der nicht abnehmen wollenden Protestwelle gegen die WM-Vergabe an den Wüstenstaat – verstanden. Wie alle, die ihr Fähnchen in den Wind zu hängen pflegen.

Also sprach Blatter sich jetzt zum wiederholten Mal für eine Winter-WM 2022 aus: „Man kann dort nicht im Sommer spielen.“ Richtig. Nur: Darüber, dass ein Turnier in Katar auch bei angenehmen 20 Grad nicht tragbar ist, verliert der Schweizer wie immer kein Wort. Und weiß bei dieser Ignoranz prominente Mitstreiter an seiner Seite – wie Bayern-Coach Pep Guardiola oder Weltfußballer Zinedine Zidane, die für Katar die Werbetrommel schlugen.

Auch wenn Franz Beckenbauer dort bekanntlich noch keinem leibhaftigen Sklaven begegnet ist, steht fest: In dem Land mit der wohl höchsten Quote an Arbeitsmigranten müssen Hunderttausende unter menschenunwürdigen Verhältnissen schuften. Was diverse Fußball-Spitzenklubs freilich nicht daran hindert, dort seit Jahren ihre Winter-Trainingslager abzuhalten.

Schalke reist auch 2015 nach Katar

Während die Bayern nach vier Katar-Aufenthalten immerhin inzwischen Skrupel bekommen zu haben scheinen und für 2015 offenbar anders planen, hat Schalke 04 gerade bestätigt, ab Januar erneut ins Wüsten-Paradies für Fußball-Millionäre zu reisen. Der Vertrag mit der dortigen Aspire Sports Academy läuft zwar aus, aber mit dem Gedanken an einen Ortswechsel mag sich S04-Manager Horst Heldt noch nicht anfreunden: „Von den Trainingsbedingungen ist das in Katar für die Jahreszeit schon top.“ Von anderen Bedingungen ist nicht die Rede.

Sepp Blatter wird’s freuen. Sooo ungerecht ist die Welt zu ihm also doch nicht.

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