Selbstverliebt ins Gefängnis

Wieder einmal hat es eine Führungskraft aus der Top-Etage der deutschen Finanz- und Wirtschaftswelt erwischt: Thomas Middelhoff soll drei Jahre ins Gefängnis. Ungläubig hört der 61-Jährige den Richterspruch. Er, der nur groß denkt, der stolz auf seinen Spitznamen Big T ist und der sich für den besten Manager nördlich von St. Tropez hält, wird von einem gewöhnlichen bundesdeutschen Gericht verurteilt.

Immer ist er großspurig, abgehoben und selbstverliebt aufgetreten. Seine Bodenhaftung hat er nie verloren. Warum? Weil er sie nie besessen hat. Middelhoff hat in seiner Welt gelebt, in der er der Beste und Klügste ist. Ein Narzisst, der jeglichen Bezug zur Wirklichkeit verloren und den Lebensstil der Superreichen gepflegt hat. Dass er nach seinem Selbstverständnis keine Fehler macht, liegt auf der Hand. Auf seiner Ich-Reise bleibt Einsicht oder gar Reue bis heute auf der Strecke.

Vielleicht hilft ihm der Platz in der Zelle, in sich zu gehen, sein verzerrtes Ego neu zu justieren. Die Strafe ist hart. Drei Jahre für falsch abgerechnete Flüge und eine private Festschrift auf Firmenkosten. Eine menschliche Tragödie. Es geht um 500 000 Euro. Hätte Middelhoff Erfolg bei Arcandor gehabt, wäre all dies nie zur Sprache gekommen. Jetzt muss er auch für die Pleite des Handelskonzerns büßen.