Schaden für die Schiene

Nach Schätzung der Bahn haben die Lokführer-Arbeitskämpfe des vergangenen Jahres den Konzern 150 Millionen Euro gekostet. Das ist happig. Aber es ist nichts im Vergleich zum Kredit, den das System Eisenbahn dadurch bei den Kunden verspielt. Auf dieser Schiene fährt die GDL bei der Fortsetzung des Arbeitskampfes anno 2015 leider weiter. Einmal mehr werden die Reisenden bereits im Vorfeld des Streiks verunsichert – indem die Lokführer zwar den Ausstand an sich ankündigen, aber nicht sagen, wann es genau losgeht. Das erschwert der Bahn die Planung und nimmt ihr die Chance, Notfahrpläne auszuarbeiten, um einen Teil des Verkehrs aufrechtzuerhalten. Und für so manchen Fahrgast werden auf diese Weise alle Reise-Pläne per Bahn faktisch über den Haufen geworfen. Das wird viele weitere Kunden verärgern.

Mit seiner Beharrlichkeit, für die Lokführergewerkschaft mehr Macht zu erstreiten, geht GDL-Chef Claus Weselsky ein hohes Risiko ein. Die Uhr tickt gegen ihn. Es wird interessant sein zu beobachten, ob die Frauen und Männer in den Lokomotiven ihm geschlossen in den nächsten Ausstand folgen werden. Es gibt durchaus eine GDL-interne Opposition, und so langsam muss der Boss Ergebnisse vorweisen. Einen Plan B hat er offenbar nicht. Zudem darf Weselsky das Tarifeinheits-Gesetz nicht aus den Augen verlieren. Das ist beschlossene Sache und spielt der konkurrierenden und mitgliederstärkeren EVG in die Hände. Wenn es wie geplant umgesetzt wird, hat die GDL schlechte Karten. Die nächste Baustelle für Weselsky.