Rückzugsräume erhalten

Für die Verabschiedung des neuen Landesnaturschutzgesetzes hätte sich das rot-grüne Kabinett in Düsseldorf kaum einen besseren Zeitpunkt aussuchen können. Erst vor wenigen Tagen haben Forscher im Fachmagazin „Science Advances“ die Alarmglocken schrillen lassen: Ihrer Einschätzung nach erlebt die Erde gerade das sechste große Massensterben. Der Artenverlust allein bei Wirbeltieren liegt hundertmal höher als er in Folge natürlicher Evolution sein sollte. Die Ursache für die vorhergehenden fünf Massensterben waren Naturkatastrophen, Vulkanausbrüche, Asteroideneinschläge, Gammablitze. Diesmal trägt der Mensch die Schuld. Er verbraucht mehr Ressourcen als gut für die Erde wäre. Die Folge: Die Artenvielfalt nimmt ab.

Das gilt auch für NRW, wo pro Tag noch immer zehn Hektar Wald, Wiesen, Brachland und Äcker unter Beton verschwinden und Tiere wie der Feldhamster, das Haselhuhn, das Braunkehlchen oder der Steinkauz vom Aussterben bedroht sind. Das Naturschutzgesetz wird diesen Flächenverbrauch kaum vollständig stoppen. Es kann ihn aber abmildern und helfen, Rückzugsräume zu erhalten. Ob es so wie vom Kabinett verabschiedet umgesetzt wird, bleibt abzuwarten. Konflikte mit der Landwirtschaftslobby sind programmiert. Landesumweltminister Remmel musste schon beim Jagdgesetz nach Protesten der Jägerschaft auch auf Druck des roten Koalitionspartners gewaltige Kompromisse machen. Dabei müsste das Naturschutzgesetz eher noch ambitionierter sein.