Riskante Versuche mit Erbgut stoppen

Klonschaf Dolly sorgte 1997 für einen Skandal - jetzt haben chinesische Forscher gar das Erbmaterial menschlicher Embryonen manipuliert.
Klonschaf Dolly sorgte 1997 für einen Skandal - jetzt haben chinesische Forscher gar das Erbmaterial menschlicher Embryonen manipuliert.
Foto: picture-alliance / dpa

Genforscher, Biotech-Unternehmer und Mediziner fordern ein Moratorium, eine Denkpause für riskante Genversuche. Das ist richtig und notwendig. Es zeigt aber zugleich eine große Hilflosigkeit. Denn auch wenn es hierzulande verboten ist, ins menschliche Erbgut einzugreifen, gibt es zahlreiche Länder, die weniger strikte Gesetze haben – und genügend ehrgeizige, ja vielleicht auch skrupellose Forscher. Das Verfahren ist offenbar so einfach zu handhaben, dass auch weniger talentierte Experten die Möglichkeit haben, jeden Versuch zu machen, den sie wollen – eine Horrorvorstellung. Selbst wenn sich die Forschergemeinschaft zu einem Moratorium durchringen würde – es ließe sich nicht kontrollieren.

Mit Crispr sind auch modifizierte Babys prinzipiell möglich, wie die neuen Experimente beweisen. Der Schritt vom Heilen zum optimierten Menschen ist nicht mehr groß. Wieder stellt der Fortschritt unsere Werte und Vorstellungen von dem, was Leben und Menschsein ausmacht, auf die Probe. Wieder muss geklärt werden, wie weit die Wissenschaft in das Buch des Lebens eingreifen soll. Wieder geht es darum, zwischen Chancen und Risiken abzuwägen. Höchste Zeit, diese Debatte zu beginnen. Viel Zeit bleibt nicht.