Rettung und Versagen

Was wir bereits wissen
Von einem glücklichen Ende des Schiffsunglücks im Mittelmeer zu sprechen, verbietet sich angesichts von mindestens fünf Todesopfern. Dennoch darf Erleichterung formuliert werden, dass noch weitaus Schlimmeres verhindert werden konnte.

Von einem glücklichen Ende des Schiffsunglücks im Mittelmeer zu sprechen, verbietet sich angesichts von mindestens fünf Todesopfern. Dennoch darf Erleichterung formuliert werden, dass noch weitaus Schlimmeres verhindert werden konnte. Den Rettern unter diesen widrigsten Wetterbedingungen - allen voran vielleicht die Hubschrauber-Besatzungen - gebühren ehrlicher Dank und respektvolle Anerkennung.

Doch es gibt auch ziemlich deutliche Hinweise auf dramatische Unzulänglichkeiten und ein systembedingtes Fehlverhalten während der Bergungsbemühungen: Mangelnde Koordinationen auf dem Schiff nach dem Brandausbruch, fehlende Ansprechpartner für die Passagiere und ein offenbar überfordertes, weil ungenügend geschultes Bordpersonal haben Chaos und Panik in unerträglicher Weise für die Betroffenen befördert.

Inwieweit die länderübergreifende Rettungsaktion weitere tragische Mängel hervorgebracht hat, wird sich erst noch zeigen müssen. Immerhin bleibt festzuhalten, dass der Kapitän dieses Mal bis zum Ende an Bord geblieben ist. Im Grunde genommen eine unbedingte Regel auf hoher See, die aber - wie wir leider seit der fürchterlichen Havarie der „Costa Concordia“ vor drei Jahren wissen - eben doch keine absolute Selbstverständlichkeit sein muss.