Reisen als Geduldsprobe

Zum Start in die tollen Tage hat sich bei vielen Reisenden Katerstimmung breitgemacht. Bei Germanwings streiken die Piloten, auch in NRW blieben Flieger am Boden – und ein Ende dieses Tarifstreits ist genauso wenig in Sicht wie bei der Bahn, von der ja noch viel mehr Reisende abhängig sind.

Das Scheitern der Gespräche mit den Lokführern war allerdings eines mit Ansage. Die Teileinigung, die es Ende 2014 mit der GDL gab, hat nur vorgegaukelt, dass man sich nähergekommen ist.

In dem komplexen Tarifpoker geht es längst nicht mehr um Geld und Arbeitszeit. Die Lokführergewerkschaft will weitere Bahn-Berufsgruppen vertreten und für diese auch Tarifverträge aushandeln. Dabei kommt sie aber der (mitgliederstärkeren) Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) ins Gehege, die beispielsweise das Bordpersonal vertritt. Das Kernproblem, das sich daraus ergibt, ist ungelöst – die Antwort auf die Frage: Akzeptiert die Bahn unter ihrem Dach künftig Tarifverträge mit verschiedenen Inhalten? Gerade am Bahnsteig stehen also unruhige Zeiten bevor. Die EVG zeigt sich kampfeslustig. Und auch GDL-Chef Claus Weselsky kann von heute auf morgen die Signale auf Streik stellen. Weil er erfahrungsgemäß gern in die Vollen geht, wird er es demnächst nicht bei ein paar Stunden Stillstand belassen.