Medikamententests

Recht auf Wahrheit

Kommentarbild online Gerd Niewerth Redakteur WAZ Essen
Kommentarbild online Gerd Niewerth Redakteur WAZ Essen

Nach außen gab man sich gern als edle und fromme Samariter, doch in Wirklichkeit herrschte in den Kinderheimen der 50er- und 60er-Jahre vielfach ein fürchterliches, ja menschenverachtendes Regiment. Auch weil dort Untertanen-Typen am Werke waren, die – von Kaiserreich und Nazizeit geprägt – für Zucht und Züchtigung, Drill und Gehorsam schwärmten.

Nach dem Missbrauchsskandal schockt jetzt die Nachricht von Medikamententests an Kindern, Jugendlichen und womöglich sogar Säuglingen. Selbstverständlich muss auch dieser beklemmende Fall lückenlos aufgearbeitet werden. Doch das ist ein halbes Jahrhundert danach leichter gesagt als getan.

Denn die Schuldigen von damals – egal ob Heimarzt, Pharmakonzern oder Heimleiter – leben längst nicht mehr. Aber die Opfer ihrer bösen Praktiken bezahlen für die schlimmen Qualen bis heute einen hohen Preis. Mit einem Wort der Entschuldigung ist es nicht getan und auch eine finanzielle Entschädigung vermag tiefe Wunden kaum zu heilen. Die Opfer haben jetzt zuallererst ein Anrecht darauf, endlich die Wahrheit zu erfahren. Das ist keine Wiedergutmachung, sondern eine Frage des Respekts.

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