Politik

Realistischer Blick auf die Pflege

Seit fünf Jahren bewertet der Pflege-TÜV die Qualität. Doch Betroffene sagen: Ausgerechnet das Notensystem erschwert gute Pflege.
Seit fünf Jahren bewertet der Pflege-TÜV die Qualität. Doch Betroffene sagen: Ausgerechnet das Notensystem erschwert gute Pflege.
Foto: Frank Rumpenhorst/Illustration

Pflegebedürftige und deren Angehörige haben Anspruch darauf zu erfahren, welche Leistung ein Heim oder ein ambulanter Hilfsdienst erbringt. Dass die durchgängig sehr gute Bewertung durch den „Pflege-TÜV“ mit der Alltagswirklichkeit oft wenig zu tun hat, müssen Betroffene bis heute schmerzlich erfahren. Das Notensystem ist ein Desaster: Trotz des bürokratischen Aufwands hat die Pflegedokumentation kaum Aussagekraft.

Es ist also nur konsequent, dass Laumann das schönfärberische Notensystem abschaffen will. Prüfberichte sollen verständlicher und transparenter werden. Unklar bleibt allerdings bislang, wie der Patientenbeauftragte dies erreichen will. Zeitdruck, Überforderung, Personalmangel und Unterbezahlung belasten Pflege und Pfleger. Es geht also weniger um die richtige Erfassung und Bewertung der Daten, sondern vielmehr um die Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte. Wie soll die künftige Pflegequalität aussehen? Da bleiben Kassen, Heimträger, ambulante Dienste und Politik Antworten schuldig.

Ab 2018 soll ein neues Bewertungssystem Pflegebedürftigen und deren Angehörigen mehr belastbare Informationen über die Qualität einzelner Angebote liefern. Angehörige, die bis dahin auf Pflegehilfe angewiesen sind, bleiben weiter unwissend. Und auch danach werden einflussreiche Lobbygruppen sicher versuchen, den Prüfergebnissen ihren Stempel aufzudrücken. Wer eine qualifizierte Pflege will, wird die Bedingungen in überlasteten Pflegeheimen ändern müssen. Erst dann werden Hiobsbotschaften über ausgetrocknete und wundgelegene Patienten in einzelnen Pflegeheimen der Vergangenheit angehören.

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