"Terror - Ihr Urteil"

Pro: Das Fernsehpublikum als Richter?

Seit Montagabend diskutiert halb Deutschland darüber, ob ein Bundeswehr-Kampfpilot einen zur Terrorbombe mutierten Passagierjet abschießen darf, um noch Schlimmeres zu verhindern. Die Verfilmung von Ferdinand von Schirachs Bühnenstück „Terror “ hat dabei ein moralisches Dilemma ausgebreitet, über dessen gesellschaftliche Sprengkraft im Zeichen weltweiter Terrorangst schon lange nicht mehr von so vielen Menschen so viel nachgedacht wurde.

Nicht die Politik, keine Talkshowgrößen, keine namenlosen Internethetzer haben diese Debatte bis tief in die Wohnzimmer hinein transportiert. Nein, ausgerechnet dem als etwas hüftsteif geltenden öffentlich-rechtlichen Fernsehen gelang ein Meinungs-Coup von seltener Durchschlagskraft. Wer hätte das dem alten Leitmedium des vordigitalen Zeitalters noch zugetraut? Dass die Zuschauer im heimischen Fernsehsessel zu einer Art Blitzschöffen werden konnten, ist dabei der entscheidende Kunstgriff des Films, sein dramaturgischer Höhepunkt. Angesichts der Debatten-Unkultur im Netz wirkt diese Art der Publikumsbeteiligung auf sympathische Weise disziplinierend. Ein TV-Votum ist kein Volksentscheid und kein Geschwo­­re-nenspruch. Es erhebt nicht einmal den Anspruch, eine repräsentative Umfrage zu sein. Tausende Fernsehzuschauer wollten nach 90 Minuten wortlastiger TV-Unterhaltung einfach teilhaben am gesellschaftlichen Diskurs. Das sollte niemandem Angst machen.

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