Pragmatismus in Sachen Renteneintritt

Was wir bereits wissen
Die CDU will Anreize setzen, über das gesetzliche Rentenalter hinaus berufstätig zu bleiben. Dabei winken längst üppige Zuschläge, die aber kaum jemand nutzt.

Zuletzt stand nicht mal mehr die Linke geschlossen gegen die Möglichkeit, auch bis 70 zu arbeiten, wenn dies freiwillig geschieht. Bodo Ramelow, der erste linke Ministerpräsident, hat den Pragmatismus entdeckt und kann nichts Schlimmes daran finden, den Menschen mehr Freiheit zu geben bei der Frage nach dem Renteneintritt. Wer wollte da widersprechen?

Sonderbar an der Debatte ist nur, dass sowohl die Union als auch die Arbeitgeberverbände so tun, als forderten sie etwas, das noch nicht möglich sei in diesem Land. Das ist es sehr wohl, scheitert aber bis dato in aller Regel an den Arbeitgebern, die ein Ausscheiden im Rentenalter im Arbeitsvertrag festschreiben. In der Vergangenheit war das verständlich, weil sonst jeder auf einer Weiterbeschäftigung hätte bestehen können. Seit letztem Sommer können sie nun gezielt jene Fachkräfte behalten, die sie weiter brauchen. Niemand hindert sie, das zu tun.

Zur Wahrheit gehört freilich auch, dass die meisten gar nicht länger arbeiten können. Für sie je nach Branche Altersteilzeitmodelle zu schaffen, bleibt sinnvoll. Das eine schließt das andere nicht aus.