Polizist als Peiniger

Ein Bundespolizist quält, erniedrigt und demütigt einen jungen Marokkaner. Ein erschütternder, ein ungeheuerlicher Übergriff: Ein wehrloser junger Mann ist in diesem Land einem Vertreter der Staatsgewalt hilflos ausgeliefert. Das macht sprachlos, und das schreit nach lückenloser Aufklärung. Dass der Beamte mit seiner Tat vor Kollegen mit seinen Bildern prahlt, lässt schlimme Rückschlüsse zu.

Wirklich nur ein Einzelfall? Nur wer sich sicher fühlt, wer glaubt, seine Kollegen applaudieren ihm zu diesem menschenverachtenden Verhalten, protzt damit. Offenbar steht der Bundespolizist mit seinem Verständnis von Willkommenskultur nicht alleine da. Dass die Gewerkschaft von einem Einzelfall spricht, gehört zu den üblichen Reflexen. Wäre es nicht viel wichtiger zu hinterfragen, warum jemand in Polizeiuniform zum Peiniger wird. Was geht in so einem Kopf vor? Was treibt ihn dazu? Welche Einflüsse, welche Umstände sind es?

Wo Korpsgeist herrscht, muss die Strafverfolgung solch übler Fälle scheitern. Bis heute ist es zum Beispiel der Staatsanwaltschaft Siegen nicht gelungen, die zwei Polizisten namentlich zu benennen, die von den Vorfällen in der Flüchtlingsunterkunft in Burbach im September wussten – und nichts sagten. Warum? Weil es keine Dienstpläne gibt? Nein. Sicher nicht.