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Frau Doktor Schavan

Politiker auf dünnem Eis

06.02.2013 | 19:58 Uhr

Keine Frage: Annette Schavan muss und wird von ihrem Amt als Bildungsministerin zurücktreten. Ihr Ruf in der akademischen Welt ist beschädig – ganz gleich, was am Ende der juristischen Auseinandersetzung steht; die sie, ganz nebenbei, gegen eine ihr von Amts wegen unterstellte Institution führt. Der anstehende Wahlkampf und die hohen moralischen Ansprüche, die Schavan in der Causa Guttenberg formuliert hat, werden ihr Übriges tun, damit CDU und CSU in den nächsten Tagen oder Wochen von ihr abrücken – selbst ihre Chefin und enge Vertraute, Kanzlerin Merkel, die auch in solch heiklen Personalfragen Pragmatikerin ist.

Doch es kommt nicht von ungefähr, dass selbst die politische Konkurrenz sich sehr zurückhält. Schavan hat einen passablen Job gemacht, gilt als integer. Guttenbergsche Arroganz und Borniertheit sind ihr wesensfremd. Ihr Fall zeigt aber vor allem, auf welch dünnem Eis sich Politiker mittlerweile bewegen. Nahezu jeder Fehltritt hat größtmögliches Erregungspotenzial; dreißig Jahre zurückliegende Verfehlungen können Amt und Karriere kosten. Und da draußen gibt es offenbar eine Menge Menschen, die sich mit Akribie und Ausdauer auf die Suche nach solchen Verfehlungen machen. Manch einem wird es darob schaudern.

Jan Jessen (j.jessen@nrz.de)

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