Norwegens Verzicht weckt Hoffnung auf Umdenken des IOC

Kein Heimspiel für die norwegischen Wintersportler: Oslo wird sich nicht für die Spiele 2022 bewerben. Foto: dpa
Kein Heimspiel für die norwegischen Wintersportler: Oslo wird sich nicht für die Spiele 2022 bewerben. Foto: dpa
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Was wir bereits wissen
Norwegens Ausstieg aus dem Rennen um die Winterspiele 2022 trifft das IOC empfindlich. Verbunden ist damit die Hoffnung auf eine dringend notwendiges Umdenken bei denen, die die Spiele vergeben. Ein Kommentar.

Essen.. Winterspiele im Geist von Lillehammer, wo 1994 die Rückbesinnung zu den Wurzeln der olympischen Idee weltweit ein begeistertes Echo fand: Zu schön, um wahr zu werden. Hätte doch Oslo – mit dem legendären Holmenkollen als Herzstück – den Weg aus dem Teufelskreis der olympischen Gigantonomie in Richtung Bescheidenheit und Nachhaltigkeit weisen können.

Nicht Norwegen ist jedoch mit dem Ausstieg aus dem Rennen um Olympia 2022 der Spiele-Verderber. Sondern das IOC, das mit Preistreiberei, Korruptionsaffären und Imponier-Gehabe potenzielle Kandidaten zunehmend verprellt. Konnte der exklusive Zirkel mit der Transparenz eines Geheimbundes die Kritik an seiner Organisation und den Auswüchsen der Spiele bisher mit dem Hinweis auf die vielen Bewerber kontern, so fällt dieses Argument jetzt weg. Bleiben doch aus dem anfangs neun Länder umfassenden Kandidatenkreis für 2022 nur Peking und Almaty (Kasachstan) übrig. Was bedeutet: Zumindest den Winterspielen zeigen die westlichen Demokratien die kalte Schulter.

Doch statt mit Selbstkritik zu reagieren, zieht sich das IOC in den Schmollwinkel zurück und beklagt, welch eine „großartige Gelegenheit“ die sportbegeisterten Norweger verpasst hätten. Zur Erinnerung: Nach der ebenfalls wegen mangelnder Zustimmung in der Bevölkerung erfolgten Absage von München hatte IOC-Präsident Thomas Bach seinem Heimatland „eine gewisse Mutlosigkeit, Zukunftsprojekte anzugehen“ unterstellt.

Richtig ist: Die Haltung der Bürger macht Mut, dass das IOC bald zu einem Umdenken gezwungen wird. Und Bachs aktuelle Verblendung („Das Hochglanzprodukt Winterspiele ist nach wie vor ein Hochglanzprodukt, wahrscheinlich mehr denn je“) der Einsicht weicht, dass es die olympische Idee verdient hat, wenigstens weitgehend ihren Wurzeln gerecht zu werden. In diesem Fall hätte sich Oslo mit seinem Verzicht um Olympia verdient gemacht. Wie Lillehammer mit den Spielen.