Frauen zwischen Erziehung und Pflege

Noch etwas pflegebedürftig

Ein Kommentar von Nina Grunsky

Das Thema ist noch etwas pflegebedürftig. Beruf und Familie vereinbaren – darunter versteht man landläufig vor allem, Kinder und Karriere zugleich zu ermöglichen. Dass auch die Sorge um die betagten Eltern dazu gehört, ist nach wie vor in vielen Betrieben ein Tabuthema. Vielleicht, weil sich ein Babyfoto auf dem Schreibtisch besser macht als ein Bild von der Mutter im Rollstuhl. Vielleicht, weil es schöner ist zu erzählen, was die Tochter gelernt hat, als darüber zu sprechen, was der Vater nicht mehr weiß. Vermutlich aber auch, weil es noch immer nur einen Teil der Mitarbeiter betrifft: Das hat nun die Studie über die „Sandwich-Frauen“ belegt.

Lange aber wird es sich nicht mehr verschweigen lassen: Denn in die Jahre kommen nun die Eltern einer Frauengeneration, die als erste konsequent Beruf und Kinder miteinander vereinbart. Und nun ihren Müttern und Vätern unbedingt etwas zurückgeben möchte für die Hilfe, die sie selbst bekommen hat – als die eigenen Kinder, also Enkel, noch ganz klein waren. In die Jahre kommen aber zugleich die Eltern von immer mehr Männern, die sich ebenfalls für die Betreuung ihrer Kinder Zeit nehmen – und es aufgrund dieser Erfahrungen wohl auch für die Eltern tun werden.

Spätestens dann müssen Arbeitgeber reagieren. Es gibt die guten Beispiele, gerade in Südwestfalen, wo Unternehmen den Fachkräftemangel spüren: flexible Arbeitszeiten, Heimarbeit, Rückendeckung bei Verhandlungen mit Pflege- und Krankenkassen, Beratungsangebote, wenn der Pflegefall plötzlich eintritt. Das muss Schule machen. Für die Unternehmen zahlt sich dieses Engagement aus, da sie Mitarbeiter halten, die es glücklich macht, wenn sie Angehörigen helfen können.

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