Neues Vertrauen bilden

Die ersten Kommentare im Internet verheißen nichts Gutes für die Kirche. „Also kann sie doch auf Kirchensteuer verzichten“, fordert ein Leser. Und ein anderer meint: „Wie wär’s, wenn man jetzt mal anfangen würde, die Kirche so zu besteuern wie sie funktioniert? Als Unternehmen!“

Jahrhundertelang hat sich die Katholische Kirche nicht in den Klingelbeutel schauen lassen. Wohin das im schlimmsten Fall führen kann, hat der Skandal um den verschwenderischen Bischof von Limburg gezeigt. Der Kölner Kardinal kann sich bei Tebartz-van Elst bedanken, dass er nun seine Bilanz öffentlich machen muss.

Das mit dem Dank ist nicht ironisch gemeint. Die neue Offenheit ist erfrischend und kann einen Beitrag dazu leisten, Misstrauen abzubauen und so die Kirchen fester in der Gesellschaft zu verankern.

Dabei steht ein Milliarden-Überschuss in der Bilanz ja nur vordergründig im Widerspruch zu einem Papst, der Bescheidenheit predigt. Wenn Gemeinden kleiner werden, sinken auch die Steuereinnahmen. Auf der anderen Seite muss für den Erhalt der Bausubstanz der alten Kirchen und für Altersruhegelder viel mehr ausgegeben werden. In der Politik löst man das Problem, indem man Kredite aufnimmt und kommenden Generationen die Tilgung überlässt. Wenn Bischöfe dies anders machen und vorsorgen, ist das nicht unchristlich. Ganz im Gegenteil.