Nachdenken!

Was wir bereits wissen
Die meisten von uns leben in den Tag hinein, als hätten sie das bessere Leben noch vor sich. . .“ Der Berliner Philosoph Gregor Eisenhauer hat diesen Satz in seinem Buch „Die zehn wichtigsten Fragen des Lebens“ (Dumont Verlag, 18 Euro) notiert.

Die meisten von uns leben in den Tag hinein, als hätten sie das bessere Leben noch vor sich. . .“ Der Berliner Philosoph Gregor Eisenhauer hat diesen Satz in seinem Buch „Die zehn wichtigsten Fragen des Lebens“ (Dumont Verlag, 18 Euro) notiert, und im Schatten des tragischen Flugzeugabsturzes in dieser Woche bekommen seine Worte plötzlich eine sehr unmittelbare, höchst beklemmende Bedeutung. Und auch das können wir bei Eisenhauer nachlesen: „Wie schnell unser Leben vorbei sein kann, darüber denken wir nicht nach, weil wir sonst starr wären vor Angst, aber wenn wir nie darüber nachdenken, laufen wir Gefahr, starr vor Gedankenlosigkeit zu werden.“

Gregor Eisenhauer trifft selbstverständlich den Punkt, wenn er formuliert: „Wann kommen wir ins Grübeln? Wenn ein Mensch stirbt, den wir lieben.“ Er stellt dieser Situation aber immerhin auch die tröstliche Feststellung entgegen: „Das Beste, was man als Mensch zurücklassen kann, sind gute Erinnerungen.“

Der Sinn des Lebens

Der eigentliche Sinn des Lebens, ja, auch des vergangenen Lebens, liegt also nach dem Urteil des Philosophen im bloßen Dasein. Beziehungsweise eben dann auch im Gewesensein.

Die Angehörigen und Freunde von Verstorbenen können mit solchen Gedankentheorien ihren Schmerz nicht wirklich lindern. Doch in glücklicheren, unbeschwerteren Zeiten, die das Leben uns auch bietet, sind derlei Überlegungen durchaus erlaubt. Vielleicht, damit sie uns in persönlichen Krisenzeiten irgendwo und irgendwie im Hinterkopf ein klein wenig mehr Halt geben können.

Von dem Individualpsychologen Alfred Adler stammt der Satz: „Der Mensch weiß viel mehr, als er versteht.“ Hinter dieser auf den ersten Blick etwas verwirrenden Äußerung wird ein gewisses Ahnen sichtbar, das sich vielleicht nicht in wohlfeilen Worten spiegeln kann, das aber dennoch existiert. Der britische Philosoph Bertrand Russell (1872-1970), der übrigens zudem nüchterner Mathematiker und ein noch nüchternerer Logiker war, bestätigt Alfred Adler aus einer ganz anderen Richtung: „Viele Menschen würden eher sterben als denken. Und in der Tat: Sie tun es.“ An dieser Feststellung sollten wir uns in einer stillen Stunde selbst einmal messen. Ziehen wir aus der frischen Betroffenheit, aus der Anteilnahme an der jüngsten Katastrophe Konsequenzen für unser Dasein? Wir könnten zumindest darüber nachdenken.