Nach der Trauer kommt die Wut

Unsere Anteilnahme gilt den Opfern, den Hinterbliebenen des Flugzeugabsturzes, der – so sieht es jetzt aus – vorsätzlich herbeigeführt worden ist. Trauma-Experten sagen, dass Eltern getöteter Kinder es viel schwerer verkraften, wenn solch eine Katastrophe nicht durch einen technischen Defekt, sondern mutwillig ausgelöst worden ist. Die Ahnung von den Szenen, die sich im Himmel über Frankreich abspielten, schlug gestern wohl jedem auf den Magen, der davon hörte. Was für ein Schock für die vielen, die jetzt um liebe Menschen trauern. Jetzt kommt zu ihrer Trauer auch noch die Wut auf den vermeintlichen Mörder. Wir wissen noch nicht alles. Viel wird gemutmaßt, aber wir sind der Wahrheit gestern wohl ein Stück näher gekommen.

Mehr als 10 000 Menschen nehmen sich jedes Jahr in Deutschland das Leben. Die Fachleute unterscheiden ihre Motive: Psychische Erkrankungen gehören dazu, zum Beispiel Depressionen. Manche töten sich, weil sie Kränkungen nicht verkraften oder das Ende von Beziehungen nicht verarbeiten können. All diese Menschen erkennen im Weiterleben keinen Sinn mehr. Sie suchen nach Erlösung aus ihrer Not.

Dann setzen sie sich ins Auto und fahren gegen einen Baum. Oder sie springen von der Brücke in den Rhein. Oder sie werfen sich vor den Zug. Niemand nimmt sich gern das Leben. Oft ist es auch eine Botschaft an die, die zurückbleiben mit dem Schmerz und den Selbstvorwürfen, die Zeichen nicht rechtzeitig gedeutet zu haben.

Hat sich der Co-Pilot das Leben genommen? Die Berichte von gestern legen diesen Schluss nahe, und wenn es so ist, dann wünschte man sich, er hätte eine andere Möglichkeit dazu gefunden. Es gibt keine Rechtfertigung dafür, 149 unschuldige Menschen mit in den Tod zu reißen. Wie viel Verzweiflung löst ein Mensch mit seiner Verzweiflungstat aus. Wie viel Schuld lädt ein Mann auf sich, wenn an seinem Ende aus Selbstmord Mord wird. Massenmord.