Moderner Handel mit Menschenfleisch

Was wir bereits wissen
Monika Willer zu den Praktiken der Schleppermafia

Wo die Not groß ist, da sind bekanntlich die Leichenfledderer nicht weit. Doch die Skrupellosigkeit, mit der Schlepperbanden verzweifelte Flüchtlinge erst finanziell ausplündern und dann dem Tod überlassen, übersteigt inzwischen jede Vorstellungskraft. Es sind Geisterschiffe des Grauens, die über das Mittelmeer treiben. Und die Flüchtlinge sind das Menschenfleisch, mit dem diese modernen Geschäfte gemacht werden, Millionengeschäfte übrigens. Trotzdem ist die Situation in Syrien und anderen von Bürgerkriegen, Diktatur und islamistischem Terror heimgesuchten Ländern so unerträglich, dass Tausende sich auf die schwimmenden Todesfallen wagen, weil die winzigste Überlebenschance immer noch besser ist als das Bleiben.


Die Verfolgten befinden sich in einem Teufelskreis, denn sie müssen illegal einreisen, um überhaupt Asyl beantragen zu können – so will es das Gesetz. Damit öffnet man der Mafia alle Türen, und zwar weit. Nach wie vor gibt es keine europäische Strategie, die Schleppermafia in ihrem menschenverachtenden Treiben zu treffen und nicht die Verfolgten und Hilfesuchenden.


Das ist unerträglich.


Europa braucht dringend eine humane Flüchtlingspolitik. Wie die genau aussehen kann, weiß derzeit keiner, weil die damit verbundenen Fragen so komplex sind. Aber es wird höchste Zeit, ernsthaft darüber zu streiten – vor allem darüber, wie man Verfolgte aus der Illegalität erlösen kann. Andernfalls wird sich das zivilisierte Gemeinwesen weiterhin durch die Gier von Kriminellen um den Preis menschlichen Lebens vorführen lassen. Und das wäre die Kapitulation der Politik vor dem Verbrechen.