Miteinander sprechen nutzt

In einem hat Sigmar Gabriel natürlich recht: Die griechischen Wiedergutmachungsforderungen an Deutschland und die Gespräche über Finanzhilfen an Athen sollte man nicht vermengen. Die Ansprüche der Südeuropäer aber einfach nur als „dumm“ abzutun, ist vielleicht doch etwas zu arrogant, Herr Bundeswirtschaftsminister. Zumindest heizt so eine verbale Aufrüstung die gegenseitigen Ressentiments zusätzlich an, und dies kann zurzeit eigentlich niemand wollen.

Klartext sprechen ist das eine – Klarsicht erhalten das andere. Also: 278,7 Milliarden Euro will Griechenland für die Gräuel und die Zerstörungen haben, die die deutsche Wehrmacht im 2. Weltkrieg in Hellas angerichtet hat. Die für viele Menschen dort bis heute ein Trauma sind. Diese Summe ist ein Wort, dennsie entspricht ungefähr den Ausgaben für den gesamten Bundeshaushalt 2015. Und selbstverständlich wird keine deutsche Regierung jemals Zahlungen in dieser Höhe auch nur annähernd zustimmen. Das ist utopisch – und das wissen auch die Griechen.

Doch darum geht es ja auch in Wirklichkeit gar nicht. Griechenland steht vor der Pleite und benutzt die Forderungen nach Reparationen als Hebel, um mit der EU, mit der deutschen Regierung im Gespräch zu bleiben. Sollte Geld aus Berlin Richtung Akropolis fließen – und dafür gibt es allein aus historischer Verantwortung durchaus Gründe –, sollte es vielleicht nicht direkt an den Staat Griechenland gehen, sondern in einen Fonds, eine Stiftung. Mit Kontrolle auf beiden Seiten. Das wäre doch ein Anfang.