Kommentar

Man muss die Torlinientechnik nur endlich wollen

Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer - nach seiner jüngsten Fehlentscheidung ist die Diskussion um die Einführung einer Torlinientechnik wieder erstarkt.
Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer - nach seiner jüngsten Fehlentscheidung ist die Diskussion um die Einführung einer Torlinientechnik wieder erstarkt.
Foto: Getty Images

Die DFL hält ihre Schiedsrichter künstlich dümmer als jeden Zuschauer im Stadion. Bei der Begegnung Hoffenheim gegen Nürnberg kam es schon zu Beginn der Bundesliga-Saison zu einer daraus resultierenden Fehlentscheidung. Es ist Zeit, die Frage „Tor oder kein Tor“ endlich zuverlässig zu klären. Ein Kommentar von Klaus Wille.

Es gibt noch gute Nachrichten in diesen Tagen, und dies ist eine davon: Die Bundesliga spielt. Sie spielt sogar, entgegen aller Befürchtungen, nicht nur in München, sondern von Berlin über Leverkusen bis Augsburg. Und das durchaus ansehnlich. Keiner hat also vorab aufgegeben, wie schön.

Im Vorfeld hätte man ja durchaus auf diese Idee kommen können, so viel Ehrerbietung schlug den Bayern und mehr noch ihrem neuen Trainer Pep Guardiola entgegen. Aber nun, da alle einmal gespielt haben, besteht Grund zur Hoffnung: darauf, dass es keinen Beitrag mehr in der ARD über Guardiolas Hosengürtel gibt und irgendwem noch eine andere Frage als die einfällt, wie viel Barcelona schon in Bayern stecke.

Die Schiedsrichter nach Fehlentscheidungen um die Torfrage anzuprangern ist falsch

Eine wäre diese hier: Wie lange will die Liga ihre Schiedsrichter noch künstlich dumm halten? Man muss sie stellen, weil der erste Aufreger der Saison aus Hoffenheim kommt. Dort hat der Herner Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer im Zusammenspiel mit seinem Assistenten Detlef Scheppe ein reguläres Tor nicht anerkannt – beide haben nicht gesehen, dass Kevin Vollands Heber im Spiel gegen Nürnberg hinter der Torlinie war.

Kinhöfer dafür anzuprangern, weist in die vollkommen falsche Richtung. Erstens hat er alles getan, was ihm nach diesem Schnitzer noch möglich war: Er hat sich entschuldigt. Dabei müsste sich die Deutsche Fußball-Liga eigentlich bei Kinhöfer entschuldigen.

Tor oder kein Tor? Heutzutage ist die Frage ohne Zweifel zu beantworten

Nämlich dafür, dass sie ihn — und jeden seiner Kollegen – im 21. Jahrhundert, in dem die Menschheit Sonden auf den Mars schickt, immer noch in eine groteske Situation bringt: Jeder im Stadion, jeder Zuschauer, jeder Journalist, übrigens auch jeder Funktionär, kann sich durch Fernsehbilder oder über sein Smartphone in Sekunden darüber informieren, ob der Schiedsrichter richtig lag. Jeder – nur der Unparteiische nicht. Er wird als einziger im Stadion von der DFL weiter künstlich dumm gehalten.

Die Frage „Tor oder kein Tor“ rührt an den Kern des Fußballs wie keine zweite. Sie ist heutzutage ohne Zweifel zu beantworten. Man muss es nur endlich wollen.