Man lässt seinen Laden nicht hängen

Die Leidensfähigkeit an Werkbänken und in Büros ist groß, das beweist allein der seit Jahren geringe Krankenstand in den Unternehmen.
Die Leidensfähigkeit an Werkbänken und in Büros ist groß, das beweist allein der seit Jahren geringe Krankenstand in den Unternehmen.
Was wir bereits wissen
Krank am Arbeitsplatz? Ein Vorgesetzter, der seine erkennbar angegriffenen Mitarbeiter nicht nach Hause schickt, bei dem krankt es an Führungskraft wie an Verantwortung.

Rechts husten die Nachbarn den dritten Tag in Folge um die ­Wette, links tränen der Kollegin die Augen, und der passende Schal zum Schirm scheint am Computerarbeitsplatz das Accessoire dieser ersten Schnee-Woche zu sein – ein Blick rund um den Konferenztisch erweckt nicht gerade den Eindruck, dass die deutschen Arbeitnehmer bei jedem Anflug eines Wehwehchens entschlossen zum Krankenschein greifen.

Die Leidensfähigkeit an den ­Werkbänken und in den Büros ist jedenfalls groß, das beweist allein der seit Jahren geringe Krankenstand in den Unternehmen. Nur bei erschreckend vielen Chefs scheint noch nicht angekommen zu sein, wie viele Menschen gerade jetzt mit dem sprichwörtlichen Kopf unter dem Arm noch an ihrem Arbeitsplatz erscheinen, um ihr Team und ihren „Laden“ nicht hängen zu lassen.

Dass viele dabei ihre und auch die Gesundheit ihrer Kollegen ­gefährden, weiß jeder. Nicht jeder Chef weiß offenbar: Ein Vorgesetzter, der seine erkennbar angegrif­fenen Mitarbeiter nicht nach Hause schickt, bei dem krankt es an Führungskraft wie an Verantwortung.