Lücken im Recht verhöhnen Opfer

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) will die gesetzlichen Bestimmungen gegen Vergewaltigung verschärfen.
Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) will die gesetzlichen Bestimmungen gegen Vergewaltigung verschärfen.
Foto: Matthias Balk/dpa

Die Vorstellung ist nur schwer zu ertragen: Eine Frau wird vergewaltigt, doch weil sie sich aus Angst nicht zur Wehr setzt, kann der Täter nicht verurteilt werden. Erst wenn zusätzliche Gewalt im Spiel ist, wird die Tat zur Straftat. Ein bloßes „Nein“ reicht dem deutschen Strafrecht in der Regel nicht aus. Ganz so, als ob Frauen, die „Nein“ sagen, vielleicht doch „Ja“ meinen.

Kritisiert wird das schon lange. Die Verschärfung des Vergewaltigungsparagrafen, wie sie jetzt kommen soll, ist deshalb richtig: Wer „Nein“ sagt, hat künftig das Strafrecht an seiner Seite.

Einfacher aber wird es dadurch nicht: Eine Verschärfung wird nichts daran ändern, dass oft Aussage gegen Aussage steht, bei dünner Beweislage und fehlenden Zeugen. Auch die Sorge vor falschen Anschuldigungen wird eher wachsen. Dennoch: Die Lücken im Strafrecht verhöhnen die Opfer. Selbst ein leises „Nein“ ist niemals ein „Ja“.