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Kunden-Vorteil

21.09.2012 | 13:27 Uhr

Haben Sie eine Kundenkarte?“ Streng schaut mich die Kassiererin im Baumarkt an, und ihrem inquisitorischen Blick entgegne ich unwillkürlich kleinlaut: „Habe ich leider nicht mit.“

Haben Sie eine Kundenkarte?“ Streng schaut mich die Kassiererin im Baumarkt an, und ihrem inquisitorischen Blick entgegne ich unwillkürlich kleinlaut: „Habe ich leider nicht mit.“

Ich gehöre eben einfach nicht zu jener smarten Spezies Einkaufsmensch, die stets ein Portemonnaie mit sich führt, das etwa so dick wie ein Ziegelstein ist, weil es neben etwas Bargeld vor allem ein paar Dutzend Kunden- und Kreditkarten beherbergt. (Und die goldenen Kreditkarte schon beim Kauf einer Tüte Brötchen mit der generösen Geste eines echten Mannes von Welt zückt:)

Meine Kundenkarte kommt nur ganz gezielt zum Einsatz - aber meistens vergesse ich sie dann doch wieder. In diesem Falle muss ich immerhin auf satte drei Prozent Rabatt verzichten, was wiederum einer Summe von 21 Cent entspricht. Ich ärgere mich nicht so sehr über die entgangene Einsparung als vielmehr über den Eindruck, den ich jetzt wohl an der Kasse mache: Entweder hält mich die Frau für einen vergesslichen Schussel, der nicht einmal ein kleines Plastikkärtchen mit sich führt oder für einen arroganten Schnösel, der die enorme Rabatt-Großzügigkeit des Baumarkts nicht zu würdigen weiß.

300 000 Treuepunkte

Dabei gehen mir diese ganzen Kundenkarten und Premienpunkte ohnehin ziemlich auf die Nerven. Überall wird man zum Sammeln oder zum Kartenabgleich aufgefordert, um sich alsdann minimalste Vorteile zu sichern.

In der „Süddeutschen Zeitung“ erschien kürzlich ein Artikel über eine Treuepunkte-Aktion. Für 300 000 solcher Punkte konnte man einen Motorroller bekommen, allerdings entsprach das notwendige Punktekonto beispielsweise dem Kauf von 600 000 Tafeln Schokolade. Berechnet wurde alsdann, dass der Schokoladen-Käufer beim Verzehr von täglich einer Tafel exakt 1684 Jahre alt werden müsste, um den in Aussicht gestellten Treuepunkte-Roller in Besitz nehmen zu können.

Bei meinem Getränkehändler gab es jüngst auch ein Punkteheftchen. Wäre es mit Marken vollgeklebt, hätte ich eine schmucke Einkaufstasche dafür bekommen. Allerdings mit einer Zuzahlung, die meines Erachtens den Wert der Tasche deutlich übertraf. Nachdem ich das Rabattblättchen ein paar Wochen in meinem Auto spazieren gefahren hatte, entschloss ich mich, es kurzerhand zu entsorgen. Dabei hatten mir nur noch drei winzige Klebepünktchen gefehlt. Ich fühlte mich irgendwie unwohl.

Andreas Thiemann



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