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Kopf und Zahl statt Intellekt und Kreativität

15.01.2013 | 19:26 Uhr
Kopf und Zahl statt Intellekt und Kreativität
Uni-Vorlesung in einem Kino.Foto: WAZ FotoPool
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Das darf man sich ruhig zweimal durch den Kopf gehen lassen: Seit Jahrzehnten wird uns eingehämmert: Bildung ist der Schlüssel zur Zukunft, je höher der akademische Abschluss, desto sicherer der Job. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Da betont eine Hochschule auf ihrer Internetseite: „Eine Ausbildung (...) bietet eine solide Basis für das spätere Berufsleben und die Chance, einen Berufszweig praxisnah kennenzulernen.“ Und ein anerkannter Hochschullehrer, Jurist von hohem Rang, sagt, er kenne genügend Akademikerkinder, für die es besser gewesen wäre, statt an die Universität in die Lehre zu gehen.

Das Argument, dass Prof. Wolfgang Löser, Sprecher des Hochschulverbandes in NRW gibt, ist zunächst arbeitsmarktpolitisch: Der Standort Deutschland, dessen Kanzlerin Angela Merkel erst kürzlich wieder die Bildungsrepublik Deutschland ausgerufen hat, brauche weiterhin begabte Menschen in nicht akademischen Berufen, als Werkzeugmacher und Handwerksmeister.

Der Hinweis mag richtig sein, aber er enthält nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte lautet: So, wie ein Studium heute in vielen Fällen abläuft, nutzt es kaum noch etwas, um in den Köpfen wachzurufen, was den Standort Deutschland wirklich stärkt: Kreativität, Intellekt, Erfindergeist. Hochschulen, die sich dem Druck der schieren Zahl beugen müssen, weil sie und ihre finanzielle Ausstattung daran bemessen werden, antworten mit einer immer stärkeren Verschulung und Rasterung des Studienangebotes.

An den Universitäten und Fachhochschulen droht in vielen Fällen die Fortsetzung der unseligen Gymnasialverkürzung auf acht Jahre: Zum Uni-Abschluss in nur sechs Jahren, mit Mitte 20 auf dem Arbeitsmarkt, voller Fachwissen und womöglich gar mit Bestnoten. Und das alles, um sich, dem ersten Burn-Out nahe, vom Personalmanager sagen zu lassen, dass es leider an Kreativität und sozialer Kompetenz fehle.

Es war Friedrich Schiller, der einst die Bedeutung des Spielens für die Erziehung und Bildung des Menschen hervorhob. Überlastete Hochschulen, die ihren Studierenden keine Spielräume mehr bieten können, verfehlen den Kern ihres Bildungsauftrages.

Stephan Hermsen

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Kommentare
16.01.2013
08:44
Kopf und Zahl statt Intellekt und Kreativität
von ferdi23 | #1

Das ist also der "Erfolg" des Bologna- Prozesses mit der Einführung von bachelor und master. Aber immerhin kann ein sog. bachelor bei RTL zwischen mehrerern Mädels wählen...

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