Konsequenzen nicht ausreichend bedacht

Verdi startete am Dienstag und Mittwoch bundesweit eine Welle neuer Warnstreiks. Viele Postempfänger müssen vermutlich über den Feiertag mit Verzögerungen bei der Zustellung rechnen.
Verdi startete am Dienstag und Mittwoch bundesweit eine Welle neuer Warnstreiks. Viele Postempfänger müssen vermutlich über den Feiertag mit Verzögerungen bei der Zustellung rechnen.
Foto: Sven Hoppe/Archiv

Da macht es sich Bundeswirtschaftsminister Gabriel wohl etwas einfach. Großunternehmen mit Bundesbeteiligung hätten persönliche und kollektive Arbeitnehmerrechte zu achten, soll er Post-Chef Appel geschrieben haben. Wohl wahr!

Und nicht nur Großunternehmen. Sondern auch die vielen kleinen Betriebe in Deutschland, die zum Teil ohne Arbeitnehmervertretungen auskommen müssen.

Niemand wünscht sich eine Bundespost zurück. Aber in der Privatisierungseuphorie der neunziger Jahre ist so manche Konsequenz nicht genügend bedacht worden.

Die jetzt auf einem freien Markt agierenden Post-Nachfolgeunternehmen müssen sich im Wettbewerb gegen internationale Konkurrenz behaupten, richten ihre Preise, Löhne und Arbeitsbedingungen entsprechend aus.

Und sie müssen damit rechnen, dass Arbeitnehmer, die zuvor Beamte ohne Streikrecht waren, für ihre Forderungen auf die Straße gehen. Wenn das sogar befristet Beschäftigte tun, muss die Wut über vorangegangene Verschlechterungen sehr groß sein. Manche nehmen sich womöglich auch ein Beispiel an den Lokführern.

Die Deutsche Post agiert wie ein ganz normales Unternehmen

Natürlich macht das Vorgesetzte, die wiederum Vorgesetzte haben, nervös. Das soll jedoch keinerlei Rechtfertigung sein für die behaupteten Drangsalierungen Streikwilliger.

Das Problem: Es gibt nur selten beweisbare und verwertbare Aussagen. Was dem einen eine freundlich gemeinte Aufforderung ist, gilt dem anderen schon als finstere Drohung.

Manchmal liegt die Wahrheit in der Mitte. Dass das Rufschädigung sein soll, ist nicht einzusehen. Die Deutsche Post agiert wie ein ganz normales Unternehmen unter Druck.

Genau das sollte sie ja auch werden.

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