Kleine Riege mit großer Strahlkraft

Das Schöne am Fußball ist unter anderem, dass man mit jedem Spieltag vor neuen Rätseln steht. So lautet diesmal eine der naheliegenden Fragen, was sich Hamburgs Trainer Joe Zinnbauer dabei gedacht hat, als er seine Mannschaft in München ins offene Messer schickte. Eine Strafaktion? Oder was? Natürlich ist man als Fan begeistert, wenn ein Fußball-Lehrer auf Abwehrbeton pfeift und auf Offensive setzt. Das ist wohltuend, aber muss man gleich Harakiri spielen?

Nach seinem Einstand wurde Zinnbauer noch dafür gefeiert, den übermächtigen Bayern ein 0:0 abgetrotzt zu haben. Das ist ein paar Monate her, und aktuell darf man vor allem behaupten: Ein Trainer, der mit einem 0:8 die höchste Schlappe der Klubgeschichte zu verantworten hat, sollte es schaffen, ähnliche Totalschäden zu vermeiden, wenn er seinen Job behalten will.

Solche Warnungen sind im Fall Viktor Skripnik offenbar überflüssig, weil sich der Mann gerade anschickt, die Gesetze des Fußballs neu zu definieren. Vier Siege in Folge, Platz eins der Rückrundentabelle, und das mit einem Team, das sich vor Wochen unter Robin Dutt noch von Niederlage zu Niederlage schleppte – das ist märchenhaft. Zumindest für Skripnik und alle Werder-Fans. Für Skripniks Vorgänger dagegen ist die Entwicklung fatal.

Dutts Ruf als Trainer ist ramponiert, während Jürgen Klopp wieder auf dem Weg ist, zu alter Strahlkraft zu finden. Der BVB-Coach hat viele Ritterschläge bekommen, und aus seiner Riege gibt es in der Bundesliga nicht viele. Dieter Hecking in Wolfsburg, Markus Weinzierl in Augsburg, Thomas Schaaf in Frankfurt und Lucien Favre in Gladbach?

Bezeichnend ist, dass Favre, der ziemlich exakt vor vier Jahren am Niederrhein anheuerte, nach Klopp bereits der dienstälteste Trainer bei einem Bundesliga-Klub ist. Und in Gladbach hätten sie sicher nichts dagegen, wenn weitere vier Jahren dazu kämen. Ob die Frankfurter bald ähnlich denken?

Thomas Schaaf hat am Samstag sein 500. Spiel als Bundesligatrainer erlebt. Unglaublich, dem Mann ist noch nie gekündigt worden. Und viel besser als mit einem Sieg gegen Schalke hätte er seine eigene Qualität gar nicht unterstreichen können. Weitere Bestmarken sind programmiert, Thomas Schaaf ist erst 53 Jahre alt und nicht der Typ, der sein Team ins offene Messer schicken würde. Da kann man nur gratulieren.