Kinderfreie Zone: Fünf Gründe, weshalb der Wirt Recht hat

Kein Ort für tobende Kinder: das "Sonnendeck" in Düsseldorf.
Kein Ort für tobende Kinder: das "Sonnendeck" in Düsseldorf.
Foto: Kai Kitschenberg
Was wir bereits wissen
Ein Wirt macht einen Teil seines Biergartens zur kinderfreien Zone. "Skandal!", empören sich wütende Eltern. "Zu Recht", findet unser Kommentator.

Essen/Düsseldorf.. Die kinderfreie "Ruhezone" im Sonnendeck, einem Biergarten am Düsseldorfer Rheinufer, sorgt für Empörung. Wütende Eltern stempeln Gastwirt Patrick Weiss - nach eigenen Angaben selbst dreifacher Vater - als kinderfeindlich ab. Doch ist es so einfach?

Kinderverbot Unser Autor, Vater eines zweijährigen Sohnes, der Essen als störende Zwangspause vom Spielen und Toben begreift und es nur selten länger als 20 Minuten auf einem Stuhl aushält, hat fünf Gründe, weshalb das Verhalten des Wirt absolut nachvollziehbar ist.

1) Der Hausherr macht die Regeln

Abseits jeglicher moralischer Empörung: Juristisch ist dem Wirt nichts vorzuwerfen. Wem er Bier oder Apfelschorle serviert, ist seine Entscheidung. Er muss entscheiden, ob er es sich leisten kann, auf Familien als Kunden zu verzichten, oder ob er damit sogar ein gutes Geschäft macht, weil andere Kunden in ruhigerer Atmosphäre mehr Bier trinken.

2) Ein Biergarten ist kein Spielplatz

Kinder haben - in den meisten Fällen - keine Lust, stundenlang auf einem Stuhl oder einer Bank zu sitzen und sich zu unterhalten. Sie wollen spielen und toben. Wer könnte es ihnen vorwerfen? Die Frage muss lauten: Warum gehen Eltern mit ihren Kindern in einen vollbesetzten Biergarten? Ein Ort, der definitiv vorrangig für stundenlange Unterhaltungen und weniger zum Spielen und Toben gedacht ist. Wo Alkohol ausgeschenkt wird, wo geraucht wird.

Biergarten Wer nun einwendet, er wolle wegen seiner Kinder nicht auf Abende im Biergarten verzichten, dem sei gesagt: Bitte, gern. Dafür gibt es Freunde, Großeltern und Babysitter, die derweil den Nachwuchs hüten.

3) Gerechtfertigter Schuss vor den Bug vieler Eltern

Der Wirt argumentiert zu Recht, es sei "ein bestimmter Typ Eltern", der die Probleme verursache. Wer jemals in einer Bahn oder einem Café gesessen hat, der weiß, welche Eltern er meint. Nämlich jene, deren Kinder ihrer Kreativität im Umgang mit dem Eigentum anderer freien Lauf lassen, während ihre Erzeuger auf ihren Smartphones wischen oder sich mit Gleichgesinnten über die Härten des Elterndaseins austauschen.

Es ist ärgerlich, dass deren Verhalten in diesem Fall zu einer Kollektivstrafe für alle Familien wird. Doch vielleicht lässt ein solcher Schuss vor den Bug manche "Latte-Macchiato-Mutter" (oder natürlich -Vater) darüber nachdenken, ob sie ihrem Kind nicht ein bisschen mehr Aufmerksamkeit schenken sollten.

4) Die Freiheit der anderen

Es dauert nie lange, bis in einer solchen Debatte die generelle Kinderfeindlichkeit Deutschlands beklagt wird. Und da gibt es in der Tat eine Menge zu beklagen: Zu wenige und zu unflexible Betreuungsangebote, zu geringes Verständnis von Arbeitgebern, ungeeignete Förderungsangebote für Familien. Von den Schwächen des Bildungssystems ganz zu schweigen.

All diese Anliegen sind berechtigt. Eltern sind auf die Solidarität der Kinderlosen angewiesen, damit sich die Verhältnisse bessern. Das fängt im Kleinen an ("Mein Kind ist krank. Kannst du heute den wichtigen Termin übernehmen?") und reicht bis in die große Politik, die die Forderungen der Eltern nur ernstnimmt, wenn eine breite gesellschaftliche Gruppe sie unterstützt.

Wer jetzt ein Fass aufmacht, weil einige Mitmenschen es vorziehen, ihr Feierabendbier in kinderloser Atmosphäre zu verbringen, der setzt diese Solidarität sorglos aufs Spiel. Das ist es sicher nicht wert.

5) Alternative ist vorhanden

Wer jetzt immer noch findet, der Wirt handle "kinderfeindlich", der muss sich die Frage gefallen lassen: Welcher "Kinderfeind" baut Spielplätze in seinem Biergarten? Denn Patrick Weiss hat es ja nicht dabei belassen, die Strandzone zum kinderfreien Areal zu erklären, sondern er hat eine Alternative geschaffen. Wenige Meter weiter gibt es einen Spielplatz, den Weiss extra hat anlegen lassen.

Dass dieser umzäunt ist, wie eine empörte Mutter auf Facebook beklagt, kann dabei durchaus als Vorteil gesehen werden. So kann der Nachwuchs wenigstens nicht auf die Straße rennen, während Mama und Papa ihre Weißweinschorle schlürfen.