Karneval und Islam

Keine Narren mehr - nur noch Clowns

Im Oktober vergangenen Jahres zeigte ein irakisch-kurdischer Fernsehsender eine schräge Parodie auf den „Islamischen Staat“. Musiker, gewandet in die typische schwarze Kluft der Terroristen, mit Schädeln und Sturmgewehren hantierend, sangen ein Spottlied auf die Fanatiker und verhöhnten sie als das, was sie sind: geschichtsvergessen, brutal und menschenverachtend. Eine herrliche und zugleich mutige Narretei. Die Mörder waren ganz in der Nähe und sind es noch heute.

Narren sind oft mutige Menschen, spitzzüngige Beobachter und Kommentatoren des Zeitgeschehens, unbequem, bisweilen lästig. Das Festkomitee des Kölner Karnevals trägt eine Narrenkappe in seinem Wappen. Warum eigentlich noch? Rebellisch, kritisch, aufmüpfig ist am Kölner Karneval nichts mehr. Den geplanten (und vergleichsweise harmlosen) „Charlie-Hebdo-Wagen“ aus dem Rosenmontagszug zu nehmen, weil er die, Zitat, „Freiheit und leichte Art des Karnevals“ einschränken könnte, ist feige und dumm.

Interessierte Kreise werden jetzt wieder geifern und sich über DEN Islam empören, der die Meinungsfreiheit in Deutschland beschneide. Beschnitten hat sich der Kölner Karneval aber selbst. Die allermeisten Muslime werden für diese Entscheidung kein Verständnis haben, weil sie erstens wissen, dass sie durch sie wieder einmal in Generalhaftung genommen werden und zweitens den Terrorismus im Namen des Islam verabscheuen.

Dem Kölner Karnevalskomitee bleibt zu sagen: Zieht die Narrenkappe ab. Ihr seid keine Narren. Ihr seid allenfalls Clowns.

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