Keine Angst vor der Rente mit 70

Die Bundesbürger werden immer älter – und immer weniger. Diese Entwicklung ist nicht aufzuhalten. Da ist es vernünftig, darüber nachzudenken, sich von der Rente mit 67 zu verabschieden.

Es kommt allerdings auf das Wie an.

Zahlen belegen, dass der Weise-Ansatz weise ist. Laut Bundeswirtschaftsministerium gibt es schon jetzt in mehr als jeder fünften Berufsgruppe Engpässe bei der Suche nach qualifizierten Mitarbeitern. Zudem wird genau in diesen Branchen demnächst jeder dritte der dort beschäftigten 6,7 Millionen Mitarbeitern aus dem Berufsleben ausscheiden.

Dass wir vor die Wand fahren, wenn wir nicht erheblich gegensteuern, liegt also auf der Hand. Allerdings darf mehr Flexibilität bei der Rente nicht in Zwang münden. Manche Mitarbeiter sind einfach schon mit 63 körperlich ausgezehrt; man muss nicht unbedingt in der politisch linken Ecke stehen, um einzusehen, dass die wenigsten Ü60 noch einen ganz normalen Dachdecker-Job ausüben können. Aber auch in vielen Büros ist der Druck so heftig geworden, dass die Menschen damit nicht mehr klarkommen.

Die Politik muss nach einer fairen und reizvollen Lösung für Rentenbeiträge und -erlöse bei freiwillig länger Arbeitenden suchen. Die Gewerkschaften müssen mit Blick auf Altersgrenzen bei künftigen Tarifverträgen ebenfalls mitspielen. Und nicht zuletzt: Wer über 67 und fit ist, wird sich sicherlich auch für mehr flexible Arbeitszeitmodelle interessieren. Die Entscheidungsträger sind gut beraten, sich gut beraten zu lassen.