Bahn

Kein Naturgesetz

Ein Kommentar von

Natürlich ist es noch keine Katastrophe, wenn 15 Prozent aller Züge nicht pünktlich sind. Kalkuliert man für das vergangene Jahr einige Baustellen mit ein, heftige Unwetter und den Lokführerstreik im Herbst, könnte man fast meinen: Wie, nur 15 Prozent? Aber es geht eben auch besser, deutlich besser. Das zeigen nicht nur Bahn-Vorzeige-Länder wie Japan oder die Schweiz, das zeigt auch die Konkurrenz in Deutschland.


In Westfalen sind ausgerechnet die wichtigsten Regionalexpress-Linien besonders verspätungsanfällig. Nicht selten sind Kapazitätsengpässe dafür verantwortlich. Hier rächen sich viele Fehler der Vergangenheit; der Rückbau von Bahnanlagen etwa oder das Aufschieben von Sanierungsarbeiten. Allzu lange hat der Staat zu wenig Geld in das System Schiene gesteckt – und es oft noch in falsche, überteuerte Projekte fließen lassen.


Für die Bahnfahrer ist es letztlich gleich, ob nun die für die Infrastruktur verantwortliche Bahntochter DB Netz, die für den Betrieb zuständige DB Regio, irgendein privates Unternehmen oder aber Staat und Politik eine Verspätung verschuldet haben. Wer Bahnfahrer als Kunden behalten will, vielleicht sogar Autofahrer für den Schienenverkehr gewinnen möchte, muss auf allen Ebenen für Verbesserungen kämpfen. Dass Züge verspätet sind, ist kein Naturgesetz.