Kein guter Zeitpunkt

Trotz der Routine, mit der die Pendler und Reisenden inzwischen mit den Lokführerstreiks umgehen: Der nun anlaufende neue Ausstand wird besonders ärgerlich sein. Denn das Pfingstwochenende gilt traditionell als eines, an dem der Stillstand, gerade auf nordrhein-westfälischen Autobahnen, so heftig ausfällt wie selten im ganzen Jahr.

Kein guter Zeitpunkt also eigentlich für die Lokführer, wenn sie auf Akzeptanz für den mittlerweile neunten Ausstand hoffen. Dass GDL-Chef Claus Weselsky seine Truppen dennoch durchziehen lässt und sogar unverdrossen von wachsendem Verständnis der Bevölkerung schwadroniert, legt den Schluss nahe, dass der Mann mit dem Rücken zur Wand steht.

Die Bahn sitzt am längeren Hebel. Der Konzern ist keineswegs so edel und fleißig auf der Suche nach Kompromissen, wie er es der Öffentlichkeit weismachen will. Die Bahn vertritt knallhart ihr – freilich auch nachvollziehbares – Interesse: dass es unter ihrem Dach nicht unterschiedliche Bezahlung für die gleiche Tätigkeit geben soll. Aber genau das ist die zentrale Zielsetzung der Lokführer.

Eine schnelle Lösung ist nur möglich, wenn sich beide Seiten schließlich doch einem Schlichter unterwerfen, der komplett freie Hand erhält, um den gesamten gordischen Knoten zu zerschlagen.