Kaeser fehlt das Gespür

Siemens-Mitarbeiter in Mülheim wehren sich mit Kundgebungen gegen den drohenden Abbau von weiteren Arbeitsplätzen.
Siemens-Mitarbeiter in Mülheim wehren sich mit Kundgebungen gegen den drohenden Abbau von weiteren Arbeitsplätzen.
Foto: Oliver Müller / FUNKE Foto Services

Siemens-Chef Joe Kaeser steht vor der ersten großen innerbetrieblichen Auseinandersetzung seiner noch jungen Amtszeit. Es steht außer Frage, dass der Konzern auf die Veränderungen durch die Energiewende reagieren muss. Die Frage ist nur, ob Stellenabbau und die Verlagerung von Produktion ins Ausland die richtigen Antworten sind.

Kaeser greift tief in die Trickkiste, um Ruhe in die aufgebrachte Belegschaft zu bringen. Er geißelt scharf die vermeintlich ideologiebehaftete IG Metall und lobt seine eigenen fleißigen Betriebsräte und Mitarbeiter. Doch der viel beschworene Geist der Siemens-Familie, den es in den goldenen Zeiten einmal gab, wurde längst vertrieben.

Vor allem das Mülheimer Werk hat Erfahrung im Kampf ums Überleben.

Kaeser fehlt einfach das Gespür, wenn er kritisiert, dass der Protest gegen Abbau an der Ruhr besonders heftig ist. Hat der Siemens-Chef ernsthaft etwas anderes erwartet, wenn er Mülheim den Löwenanteil der abzubauenden Stellen aufbürden will?