Jetzt ist Mut gefordert!

Was wir bereits wissen
In der NPD-Hochburg Tröglitz in Sachsen-Anhalt brennt ein künftiges Flüchtlingsheim, Politiker werden bedroht und die Aufrechten trauen sich erst jetzt raus.

Nein, es ist keine Provinz-Posse aus dem sachsen-anhaltinischen Niemandsland. Der Name des kleinen Dorfes Tröglitz steht mittlerweile für all das, was die riesengroße Mehrheit in unserer Republik nicht tolerieren kann und – Gott sei Dank – nicht tolerieren will: Dumpfe Ausländerfeindlichkeit aus der braunen Ecke, die viel zu lange unter den Tisch gekehrt wurde. Und die leider vor allem in vielen unbeobachteten und oft auch schon abgeschriebenen Landstrichen Alltag geworden ist. Gerade dort, wo große Politik nicht mehr hinschaut, bilden sich die Seilschaften der Ewiggestrigen und ihre Botschaft fällt oftmals auf fruchtbaren Boden. Keine Überraschung also, dass ausgerechnet die NDP in Teilen der hoffnungslos unterlegenen Provinz nicht nur die politische Stimmung bestimmt.

Dort, in diesen Tröglitzen des Ostens, aktiv Flüchtlingspolitik zu betreiben, ist mutig. Ganz schlimm, dass es offenbar vermehrt auch Menschenleben bedroht. Der ehemalige Bürgermeister musste seine Familie vor rechter Gewalt schützen und gab auf, der amtierende Landrat steht unter Polizeischutz. Und Menschen aus bedrohten Ländern gerade hier in Heimen unterbringen zu wollen ist mindestens mal ein Risiko.

Die Alternative? Natürlich nicht aufgeben. Nie, nie mehr, darf von Rechtsextremen mitbestimmt werden, ob unser Staat Unterdrückten hilft. Aufklären, Widerstand leisten, beschützen – das muss das Motto sein. Dass viele Tröglitzer das auch so sehen, gibt ein klein wenig Hoffnung.