Jetzt aber bitte mal die Kirche im Dorf lassen

Der Papst, ausgerechnet dieser Papst, befürwortet das Schlagen von Kindern? Jetzt wird draufgehauen! Weltweit überschlägt sich die Kritik an Franziskus’ Aussage. Doch man sollte bitteschön die Kirche im Dorf lassen. Der Papst hat mit einem - etwas unglücklichen - Vergleich argumentiert, mit einer Anekdote. Das ist in der Rhetorik üblich und hat nicht die Qualität einer These. Und es bedeutet keinesfalls, dass der Pontifex der Prügelstrafe das Wort redet.


Franziskus redet gerne unbefangen. Das macht ihn so sympathisch. Aber damit bietet er auch Angriffsflächen. Zum Beispiel den Karnickelzüchtern, die die Ehre ihrer Kaninchen verletzt sahen, weil der Papst zum Thema Fortpflanzung gesagt hatte, um gute Katholiken zu sein, müsse man nicht sein wie die Karnickel. Oder die Sache mit der Faust ins Gesicht für den Mutterbeleidiger. Die hatte er - ebenfalls wieder in Form einer Anekdote - als Vergleich zu den Grenzen der Satire bemüht.


Der 78-Jährige Franziskus realisiert offenbar noch nicht in jeder Situation, dass er im Glashaus sitzt. Dass die Welt, weil er der Papst ist, seine anekdotischen Analogien wörtlich nimmt und in Sekundenschnelle rund um den Erdball verbreitet, worauf sich dann, je nach Thema, eine Flutwelle der Begeisterung oder der Entrüstung aufbaut. Frühere Päpste haben sich entweder gar nicht oder nur sehr verklausuliert geäußert. Dass Franziskus anders ist, muss die Öffentlichkeit erst lernen.


Vergessen wird darüber, was Franziskus in diesem Zusammenhang zur Würde jedes Kindes gesagt hat, und das ist schade. Denn die Würde von Kindern wird ja täglich millionenfach nicht nur durch körperliche Gewalt verletzt, auch in der katholischen Kirche.