Politik

Jahrmarkt der Meinungen

Zehntausende Menschen nahmen am Schlussgottesdienst des Kirchentages in Stuttgart teil. Der deutsche evangelische Kirchentag ist nach fünf Tagen zu Ende gegangen.
Zehntausende Menschen nahmen am Schlussgottesdienst des Kirchentages in Stuttgart teil. Der deutsche evangelische Kirchentag ist nach fünf Tagen zu Ende gegangen.
Foto: Wolfram Kastl

Die Kirchen in Deutschland kämpfen gegen ihren Bedeutungsverlust. In gesellschaftlichen Debatten werden sie immer seltener als relevante Stimme wahrgenommen. Laut einer aktuellen Umfrage wünscht sich nur eine Minderheit der Deutschen einen stärkeren Einfluss der großen Kirchen: gerade einmal elf Prozent. Fast jeder zweite spricht sich gar für „weniger Einfluss“ aus.

Der Evangelische Kirchentag hat gezeigt, wie sich die Protestanten gegen diesen Trend stemmen wollen - die Massenveranstaltung war überfrachtet mit politischen Forderungen, Appellen, Resolutionen.

Vorratsdatenspeicherung und TTIP, Steuerrecht und Schuldenerlass, Waffenlieferungen und G7-Treffen, Globalisierung und Google - kaum ein Thema, zu dem es nicht mindestens eine Podiumsdiskussion gab. Ein Jahrmarkt der Meinungen.

Die Kirchen haben die Pflicht, ihre Stimme zu erheben gegen Unrecht und Ungerechtigkeit, auch in der Tagespolitik. Wer sich jedoch selbst unter Druck setzt, zu allem und jedem mindestens einen Appell zu formulieren, der gewinnt deshalb nicht zwangsläufig an Relevanz und Einfluss.

Manchmal ist weniger mehr.

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